Die Milchproduktion wird in den kommenden zehn Jahren sowohl in der EU als auch weltweit zunehmen, das Wachstum wird allerdings moderater ausfallen als in den vergangenen Jahren. Kurzfristig kann es weiterhin zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Bedarf kommen, dem entsprechend können Preisschwankungen, wie sie etwa in der EU seit 2007 beobachtet werden, nicht ausgeschlossen werden. Dies geht aus der jüngsten mittelfristigen Marktprognose der EU-Kommission hervor. Die fundamentalen Marktdaten werden künftig verstärkt das Milchangebot bestimmen, auch Umweltauflagen werden hier einen Einfluss ausüben, so die Kommission. Die EU wird der Prognose zufolge bis 2026 zum größten Exporteur von Molkereiprodukten werden - noch vor Neuseeland. Trotz der zunehmenden Ausfuhren dürften mehr als 85 Prozent der Erzeugnisse innerhalb des Binnenmarktes verbraucht werden.

Weltweit steigender Konsum

Nach einer Stagnation im vergangenen Jahr werde der globale Bedarf an Milchprodukten in den kommenden Jahren wieder zunehmen, allerdings in geringerem Umfang als bisher, erwartet die Kommission. Im Schnitt soll der Konsum von Milchprodukten im kommenden Jahrzehnt um 1,8 Prozent jährlich steigen, das wären rund 16 Mio. t Milchäquivalent. Der höchste Zuwachs wird dabei in Indien erwartet, aber auch in Australien, der EU und den USA soll der Verbrauch zulegen. In Asien, wo der Pro-Kopf-Konsum generell geringer ausfällt, steht einem Plus in China eine Stabilisierung des Verbrauchs in Japan gegenüber. In Afrika dürfte das Bevölkerungswachstum in zahlreichen Regionen ebenfalls für einen steigenden Bedarf sorgen.

Indien kurbelt Produktion an

Der zunehmende Verbrauch an Milcherzeugnissen wird der Prognose zufolge die Produktion speziell in den Entwicklungsländern ankurbeln. So wird in Indien eine jährliche Steigerung um 5,5 Mio. t erwartet, um die Eigenversorgung sicherstellen zu können. In anderen Regionen, insbesondere in Afrika, China, in verschiedenen asiatischen Ländern sowie im Mittleren Osten dürfte die zunehmende Produktion nicht mit dem wachsenden Bedarf mithalten können. Die Folge wäre ein höherer Importbedarf bei Erzeugnissen wie Käse, Butter Milchpulver und Molke.

Schwierige Prognose zu Russland

Russland, das mit dem im August 2014 verhängten Import-Embargo seine Einfuhren an Molkereiprodukten schlagartig verringerte, zählt zu den großen „Fragezeichen" in der Mittelfrist-Prognose der Kommission. Sollte das Embargo demnächst aufgehoben oder auf weniger Produkte beschränkt werden, so werde der Umfang der Importe dennoch nicht mehr so hoch wie vor 2014 ausfallen, so die Experten. Längerfristig dürfte der russische Einfuhrbedarf auch aufgrund einer höheren Eigenerzeugung nicht mehr als 400.000 t (Produktgewicht) ausmachen.

EU wird größter Anbieter am Weltmarkt

In den kommenden zehn Jahren dürfte die EU innerhalb der großen Exporteure das höchste Wachstum in der Milchproduktion aufweisen, nämlich 1,3 Mio. t/Jahr, gefolgt von den USA mit 1,2 Mio. t, während in Neuseeland nur ein Plus von 0,5 Mio. t prognostiziert wird. Der steigende Inlandskonsum dürfte speziell in den USA einen großen Teil des Produktionszuwachses aufnehmen und damit das Potenzial für US-Exporte limitieren.

Bestände bremsen Preisanstieg

Die Erzeugermilchpreise dürften sich in der EU in den kommenden Jahren weiter erholen. Allerdings würden die hohen Bestände in der öffentlichen Lagerhaltung im Umfang von umgerechnet rund 2,7 Mio. t Milch den Preisaufschwung in den nächsten Jahren bremsen. Demnach dürften die Bauernmilchpreise in der zweiten Hälfte des Prognosezeitraumes stärker zulegen als vorher. (AIZ)
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