„Die Maßnahmen, mit denen die EU auf das russische Lieferembargo im Herbst reagiert haben, haben schlecht funktioniert“, resümiert Leandro Mas Pons, Vertreter der Obst- und Gemüseabteilung der EU-Kommission, bei der internationalen Fruchthandelsmesse Fruit Logistica in Berlin. Um den Obst- und Gemüsemarkt zu entlasten, seien rund 100 Mio. € ausgegeben worden. Das Verfahren, die EU-Lieferanten in der Reihenfolge ihrer Antragsstellung zu bedienen, habe den Markt sogar noch weiter irritiert, räumt er gegenüber der Presse ein. Der großen Ernte sei das Programm nicht gewachsen gewesen. Aber der internationale Handel habe zügig neue Absatzmärkte erschlossen.

Das belegt Philippe Binard vom europäischen Frischehandelsverband Freshfel mit Zahlen. Er appelliert aber an seine Branche und an die EU-Kommission mit der Botschaft, dass der Verbrauch in Europa dringend wachsen müsse. In den vergangenen Jahren sei in Europa immer weniger frisches Obst gegessen worden. Dem müsse man nun entgegenwirken: Mit 1 Stück pro Kopf und Tag ergebe sich ein erhebliches Potenzial.

Die Statistik von Freshfel zeigt, dass Lieferungen nach Russland durch das Embargo zu 90 Prozent betroffen seien. Aber der Handel habe andere Kunden gefunden. Demnach konnten innerhalb eines Jahres die Exporte nach Weißrussland um 141 Prozent in der Menge gesteigert werden. Aufgrund der niedrigen Preise wurde damit nur eine wertmäßige Steigerung der Exporte um 42 Prozent erreicht.

In die Türkei gingen 224 Prozent mehr Lieferungen an Frischprodukten, nach Jordanien 253 Prozent mehr. Exporte nach Kasachstan legten um 108 Prozent zu, nach Serbien um 110 Prozent und nach Bosnien-Herzegowina um 164 Prozent. „Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Branche sehr aktiv ist“, so Binard. (brs)
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