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Brigitte Stein zur Warenterminbörse

Im Auf und Ab der Preise für landwirtschaftliche Produkte liegen Chance und Risiko. Das haben Landwirtschaft und Handel gerade im vorigen Jahr zu spüren bekommen. Dass eine Preisabsicherung über Warenterminkontrakte eine Möglichkeit ist, Risiken zu verringern, gehört mittlerweile zum unternehmerischen Allgemeinwissen. Die Anwendung kann zur Existenzfrage werden und so mancher musste feststellen, dass er zwar die Börse gemieden, dafür aber mit physischer Ware kräftig spekuliert hatte – ohne Absicherung.

An den Kenntnissen in der Agrarbranche über den Futures-Handel haben Mitarbeiter und Makler der Warenterminbörse RMX in Hannover in den vergangenen zehn Jahren hart gearbeitet. Nutzen daraus zu ziehen war ihnen und der RMX nicht vergönnt. Schulungen und Maklerprüfungen mündeten in Umsätzen an der Euronext. Auf diese Weise wurde die Börse ihren größten Makel nicht los: die zu geringe Liquidität.

Das Problem ist hausgemacht: Die Börse sollte der Agrarbranche als feines und nahezu exklusives Instrument dienen. Spekulanten sollten den Markt nicht stören. Das gewählte technische System war kaum vernetzt und für die Makler ein zusätzlicher Kostenfaktor. So konnte der Handel nicht in Schwung kommen.Wenngleich Seriosität sicher eine gute Eigenschaft für ein Unternehmen ist, so kann doch eine Börse auf Umsatzbringer nicht verzichten. Dass die wenigen Umsätze das ganze System nicht finanzieren würden, war leicht zu durchschauen. Für lebensnotwendige Investitionen, die eine Verbindung zu internationalen Finanzdienstleistern ermöglichen könnten, fehlte zuletzt schlichtweg das Geld. Die generierten Finanzmittel flossen in das neue Projekt Kredithandel und die dafür erforderliche Technik – und versickerten.

Damit ist nun Schluss: Agrarcommodities und Kredithandel sind wieder getrennt und die eigens dafür gegründete Eucomex AG führt zunächst unter dem Dach der öffentlich-rechtlichen Börse RMX den Futures-Handel fort. Nächstes Ziel ist die europäische Vernetzung der Warenterminbörse. Dann sollen auch Finanzdienstleister und später Fondsmanager endlich Zugang bekommen können, Umsätze und Liquidität bringen.

Wenn schon die Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel für die Eucomex, über die allgemein gerätselt wird, ein Kraftakt war, steht die Feuerprobe noch bevor. Die wirklich große Herausforderung besteht darin, das in der Vergangenheit verspielte Vertrauen zurückzugewinnen und den in Bankenkreisen lange gewitterten provinziellen Mief zu vertreiben.

Für einen solch großen Wurf kann ein neuer Name sinnvoll sein. Entscheidend aber ist ein wirklich schwungvoller Antritt, der sich nicht länger auf Branchengespräche und lokale Märkte beschränkt. Das Gelingen wird zur Existenzfrage für den Terminhandel mit Agrarprodukten am Börsenstandort Deutschland.

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