az-Länderserie Rumänien

Exporteur mit reichlich Nachholbedarf


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Wer in Rumäniens Landwirtschaft investiert, muss einen langen Atem mitbringen. Die Wunden, die der Umsturz 1989 verursacht hat, sind noch nicht verheilt. Mit dem damaligen Regime wurde auch das weithin verhasste genossenschaftliche System der Landwirtschaft gründlich zerschlagen. Neue wettbewerbsfähige Strukturen sind seither nur in Ansätzen entstanden. Der EU-Beitritt 2007 hat Optimismus gesät. Die Agrarwirtschaft ist aber nach wie vor sehr kleinstrukturiert. Neben der Infrastruktur und unklaren Besitzverhältnissen hat das Land vor allem mit Korruption und Vetternwirtschaft zu kämpfen.

Die Agrarressourcen des Landes sind beachtlich. Mit einer Ackerfläche von 9,4 Mio. ha reicht Rumänien fast an deutsche Verhältnisse heran. Ausgedehnte Ackerbauregionen mit fruchtbaren Schwarzerdeböden finden sich im Süden in der Region Walachei und im Westen in der Region Banat. Herausfordernd für die Ackerbauern sind aber die Trockenperioden, niedrigere Erträge, komplexe Pachtverhältnisse und eine ineffiziente Verwaltung. Die Vermarktung der Produkte erfolgt überwiegend über die Donau, die im Süden des Landes die Grenze zu Bulgarien bildet und in das Schwarze Meer mündet. Für den Export ist der Schwarzmeerhafen Constanza von zentraler Bedeutung. Von dort aus wird Weizen und Mais zu den Abnehmern in Nordafrika und im Nahen Osten verschifft.

Der Schwarzmeerhafen Constanza ist für den Umschlag von Agrarprodukten zentraler Ausgangspunkt.
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Der Schwarzmeerhafen Constanza ist für den Umschlag von Agrarprodukten zentraler Ausgangspunkt.
Trotz dieser internationalen Aktivitäten befindet sich Rumänien auch ein Vierteljahrhundert nach dem Sturz des kommunistischen Systems immer noch im Aufbruch. Die Trümmer der Revolution sind noch längst nicht beseitigt. Sinnbildlich dafür stehen die Einschusslöcher an den Gebäuden rund um den Opernplatz in Timisoara im Nordwesten des Landes, wo die rumänische Revolution im Dezember 1989 ihren blutigen Anfang nahm. Auch auf dem Land hat die Vergangenheit Spuren hinterlassen. Verfallene ehemalige staatliche Landwirtschaftsbetriebe mit riesigen ehemaligen Stallgebäuden sind Zeugen der früheren kollektiven Landwirtschaft. Im Jahr 1989 wurden knapp 90 Prozent der Agrarflächen von staatlichen und genossenschaftlichen Agrarbetrieben bewirtschaftet. Eine konsequente Privatisierung nach der Revolution führte zu einer völligen Zersplitterung des Grundeigentums. Die durchschnittliche Größe der Betriebe sank auf weniger als 2 ha Ackerfläche. Es handelte sich jedoch zum Großteil um Hauswirtschaften, die für den Eigenbedarf produzierten. In den Folgejahren bis zum EU-Beitritt 2007 und auch bis heute hat sich an den Strukturen nur wenig verändert. Bei der Agrarzählung 2010 sind in Rumänien noch immer fast 3,9 Millionen Betriebe mit einer Durchschnittsgröße von 3,4 ha registriert worden. Nur 1,1 Prozent von ihnen bewirtschafteten mehr als 20 ha.

Aufgrund der sehr guten Böden hat der Ackerbau die größte Bedeutung. Der Anteil der pflanzlichen Erzeugung am Produktionswert der Landwirtschaft beläuft sich auf 74 Prozent, in Deutschland sind es nur 40 Prozent. Umgekehrt verhält es sich mit Blick auf die tierische Erzeugung. In Rumänien beträgt ihr Anteil 26 Prozent, in Deutschland 51 Prozent. Marktexperten gehen mittelfristig von einem Anstieg der Schweine- und Geflügelbestände aus, sofern in neue Ställe investiert wird. Auch die Bedeutung als Exporteur wird zunehmen. Gute Voraussetzungen werden auch dem Öko-Anbau bescheinigt. Rumänien hat das Bio-Siegel nach deutschem Vorbild verbindlich eingeführt. (AW/db)

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