Während die EU die neuen Regeln für Spekulanten jüngst noch einmal vertagt hat, prescht Deutschland mit einem neuen Gesetz gegen Marktmanipulationen vor. Der Bundesrat hat am 13. Mai die drastische Erhöhung von Strafen gebilligt, wenn Händler Märkte manipulieren oder Insiderhandel betreiben.

Mehr Fälle
Die Bafin hat erst jüngst bei ihrer Jahrespressekonferenz dargelegt, dass die Anzahl der untersuchten Marktmanipulationsversuche seit 2013 von Jahr zu Jahr gestiegen ist. Wurden 2013 in Deutschland lediglich 208 Fälle untersucht, waren es von Januar bis April 2016 bereits 312. Ob darunter auch Agrarpositionen waren, ist nicht ersichtlich. (sp)
Schon der Versuch einer Marktmanipulation kann künftig bestraft werden. Als Beispiele für solche Delikte werden bestimmte Formen des Hochfrequenzhandels aufgenommen, ebenso die Verfälschung von Referenzwerten oder Indizes. Schwere Fälle sollen erstmals als Verbrechen eingestuft werden, worauf Gefängnis von mindestens einem Jahr steht. Unternehmen droht eine Buße von bis zu 15 Prozent des Umsatzes des gesamten Konzerns – ohne jede Obergrenze.
 

Mifid II kommt später

Das Gesetz sieht auch die Einrichtung einer Meldeplattform auf der Internetseite der Finanzaufsicht Bafin vor. Dort können Kollegen von Händlern auf das Fehlverhalten einzelner Personen aufmerksam machen. Auch Börsen müssen ihren Mitarbeitern eine Möglichkeit bieten, anonym Verdachtsfälle anzuzeigen.

Unternehmen können indes aufatmen, weil sie die strengen Regeln der Finanzmarktrichtlinie Mifid II erst ein Jahr später als geplant umsetzen müssen. Erst ab 2018 fordert die EU von Derivatehändlern, für ihre spekulativen Geschäfte mehr Eigenkapital zu hinterlegen. (sp)
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