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Der Markt für Fischmehl in Deutschland hat sich nicht entwickelt, seit das Verfütterungsverbot Mitte April aufgehoben wurde. Ursache ist die unklare Situation in der Praxis, schreibt die Agrarzeitung Ernährungsdienst in ihrer heutigen Ausgabe. Fischmehl darf als Einzelfuttermittel grundsätzlich nicht an landwirtschaftliche Betriebe abgegeben werden. Das ist die Maßgabe der Bezirksregierung Weser-Ems als Landesaufsichtsbehörde im Nordwesten Deutschlands, die sich an den Bestimmungen des Anhang 1 der Entscheidung der EU-Kommission 2001/9/EG orientiert. Danach dürfen auch Mischfuttermittel, die Fischmehl enthalten, nur an Landwirte abgegeben werden, die keine Wiederkäuer halten. Betriebe, die auch Wiederkäuer halten, können nur nach amtlicher Zulassung fischmehlhaltige Futtermittel für Nichtwiederkäuer einsetzen. Fischmehl selbst darf nur durch anerkannte Mischfutterhersteller auf direktem Wege von den Fischmehlherstellern bezogen werden. Eine Weiterverarbeitung in der Mischfutterindustrie ist nur dann zulässig, wenn keine Wiederkäuerfutter im Betrieb hergestellt werden oder eine vollständige Anlagentrennung gegeben ist. Es ist dabei strittig, ob die Aufsichtsbehörden eine innerbetriebliche Trennung als ausreichend erachten oder auf unterschiedlichen Betriebstätten bestehen. Für Transporte muss gegenwärtig davon ausgegangen werden, dass fischmehlhaltige Futtermittel nicht gemeinsam mit anderem, fischmehlfreiem Futter, zum Beispiel in anderen Silozellen, auf einem LKW gefahren werden dürfen. In der Praxis wird Fischmehl in Deutschland daher kaum eingesetzt. Von Seiten der Futtermittelindustrie, der Landwirtschaft aber auch den Aufsichtsbehörden wird die unklare Situation bedauert und eine rasche Klarstellung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium gefordert. (jst)
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