Im Streit um Spekulation mit Nahrungsmitteln kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch die Deutsche Bank. Diese halte wider besseres Wissen an ihren Geschäften fest.

Wie Foodwatch gestern mitteilte, belegen Papiere aus den Forschungsabteilungen von Deutscher Bank und Allianz, dass die Unternehmen entgegen öffentlicher Äußerungen selbst davon ausgehen, dass Spekulation mit Agrarrohstoffen zu höheren Nahrungsmittelpreisen und damit zu Hunger führen kann.

In einem als „vertraulich" gekennzeichneten Dokument des Allianz-Konzerns, aus dem Foodwatch zitiert, soll es heißen: „Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt".

Dokumente der Forschungsabteilung der Deutschen Bank „DB Research" zeigen laut Foodwatch, dass das Geldhaus den Deutschen Bundestag über ihre Erkenntnisse belogen hat. Der Chefvolkswirt des Unternehmens 2012 habe Bundestagsausschuss gesagt, es gebe „kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen  oder erhöhter Volatilität geführt hat."

Die Forschungsabteilung der Deutschen Bank hatte laut Foodwatch aber zuvor festgestellt: „Auch die Spekulation hat zu Preissteigerungen beigetragen." In einem anderen Dokument soll DB Research gewarnt haben: „Solche Spekulationen können für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel."

Die Deutsche Bank und der Versicherungskonzern Allianz hatten im Januar dieses Jahres angekündigt, an Finanzinstrumenten auf Agrarprodukte festzuhalten. Nach Kritik von Nicht-Regierungsorganisationen hatte die Deutsche Bank das Neugeschäft mit solchen Produkten zuvor vorübergehend ausgesetzt, um Vorwürfe zu prüfen, diese Angebote trügen zur Preistreiberei an Terminmärkten für Agrarrohstoffe bei. (sch)


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