Report Agrarlogistik

Frachtkontrolle sichert Qualitätsstandards


Vor jeder neuen Befüllung werfen die SGS-Inspektoren einen kritischen Blick in den Laderaum.
-- , Foto: SGS
Vor jeder neuen Befüllung werfen die SGS-Inspektoren einen kritischen Blick in den Laderaum.

Vom Landwirt über den Händler bis hin zum Verarbeitungsbetrieb – zwei Mal oder häufiger wird ein Futtermittel entlang seiner Produktionsstufen umgeschlagen. Jedem, der an dieser Logistikkette beteiligt ist, kommt eine hohe Verantwortung zu. Denn Verunreinigungen von Futtermittel gefährden die Sicherheit von Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Um Risiken auszuschließen, müssen Agrarlogistiker hohe Qualitätsansprüche erfüllen – besonders in der Binnenschifffahrt.

Umfangreiche Regelwerke

Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde für den Futtermittelsektor die Zertifizierung GMP+ ins Leben gerufen, um Qualitätsgarantien in der tierischen Produktionskette zu gewährleisten. Diverse Skandale, die Tierproduzenten und die Futtermittelbranche in das Blickfeld der Öffentlichkeit rückten, gaben um die Jahrtausendwende jedoch Anlass für eine verschärfte Regulierung. Das Futtermittelrecht wurde in das neu strukturierte Lebensmittelrecht integriert. Heute gelten die Basis-Verordnung (EG) Nr. 187/2002 für alle Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen von Futter- und Lebensmitteln sowie die Verordnung zur Futtermittelhygiene (EG) Nr. 183/2005.

Um die Konformität mit dieser europäischen Gesetzgebung sicherzustellen, wurden im Agrarsektor verschiedene Qualitätssicherungssysteme etabliert, die sich inzwischen teilweise gegenseitig anerkennen. Zu nennen sind neben GMP+ der GTP-Code, das QS-Prüfsystem oder das belgische Eigenkontrollsystem Ovocom.

Die umfangreichen Regelwerke stellen die Einhaltung von Qualitätsstandards sicher und sind in der Branche mittlerweile fest verankert. So gibt es derzeit allein etwa 14000 Unternehmen, die nach GMP+ zertifiziert sind. Inzwischen ist es gängige Praxis, dass wichtige Marktteilnehmer in der Futtermittelbranche ausschließlich Lieferanten oder Transporteure beauftragen, die über ein gültiges Zertifikat eines dieser Systeme verfügen.


Partner der Agrarbranche
Das Unternehmen SGS ist mit mehr als 80000 Mitarbeitern und Niederlassungen in etwa 140 Ländern eigenen Angaben zufolge das weltweit führende Prüfunternehmen. Als neutrale Kontrollstelle zertifizieren die Sachverständigen der SGS nach anerkannten Branchenstandards, inspizieren Warenlieferungen oder führen Laboranalysen durch – angefangen vom landwirtschaftlichen Erzeuger über Transport und Verarbeitung bis hin zum Lebensmittel im Supermarkt. (az)

Inspektion auf Herz und Nieren

Wichtige Bausteine des etablierten GMP+-Standards sind regelmäßige Audits in der Binnenschifffahrt. Zugelassene Prüfstellen wie die SGS kontrollieren die Eignung von Schiffen für den Frachtverkehr sowie Arbeitsprozesse innerhalb von Logistikunternehmen.

Die Anforderungen verlangen zudem eine Frachtrauminspektion vor jeder Verladung. Sofern es keine Beanstandungen gibt, dürfen Futtermittel, Getreide oder Ölsaaten transportiert werden. Bestehen Transportunternehmen ein Audit oder deren Binnenschiffe die Frachtrauminspektion nicht, können die Schiffe für die Verladung gesperrt werden, bis die Mängel behoben sind.

Die Erfahrung aus zahlreichen Prüfungen von Binnenschiffen gemäß des Futtermittelhygienecodex zeigt: Viele Beanstandungen bei Audits gemäß GMP+ könnten Logistiker durchaus vermeiden. Besonders häufig werden Lücken in der Dokumentenführung zum Problem. Meist ist mangelnde Sorgfalt die Ursache dafür, dass Frachtregister, Reinigungsprotokolle oder Fahrtenlogbuch fehlen oder unvollständig sind.

Ebenfalls oft vernachlässigt wird die behördliche Registrierung des Schiffsführers im Rahmen der VO (EG) 183/2005. Eigentlich ist das nur eine Formalität, aber für die Zertifizierung nach GMP+ zwingend erforderlich. An dritter Stelle der häufigsten Beanstandungen steht ein mangelhafter Zustand der Laderäume selbst – etwa Verunreinigungen durch Vorladungen, starker Rost, Schädlingsbefall oder Leckagen.

Neben der Einhaltung anerkannter Standards unternehmen viele Marktteilnehmer weitere Anstrengungen für die Qualitätssicherung –Tendenz stark steigend. Immer mehr Unternehmen der Agrarwirtschaft beauftragen zusätzlich unabhängige Inspektionsgesellschaften mit Eigenkontrollen, die über die bestehenden gesetzlichen oder kontraktlichen Anforderungen hinausgehen.

In den vergangenen Jahren hat allein bei der Prüfgesellschaft SGS daher nicht nur die Zahl der Audits von etablierten Branchenstandards zugenommen, sondern auch die Anfragen für freiwillige Inspektionen sind um rund ein Drittel gestiegen. Dabei wird das Netz an Überwachungen immer engmaschiger. Fast an jeder Stelle, an der Ware bewegt wird, finden mittlerweile Kontrollen statt.

Zustand der Luken im Blick

In jedem Hafen ist es erforderlich, dass vor Verladung die leeren Laderäume eines Binnenschiffs mit Blick auf deren Sauberkeit, problematische Vorfrachten und Zustand der Luken kontrolliert werden. Hierzu werden zunehmend neutrale Dritte wie die SGS beauftragt.

Zudem übernehmen unabhängige Inspektoren vielerorts die Aufsicht von Beladung und Entladung. Im Zusammenspiel mit einer Warenprüfung im Labor kann so nachgewiesen werden, ob die Futtermittel auf ihrem Weg durch Temperaturschwankungen, Kondenswasser oder Schimmelbildung Schaden genommen haben. Gleichzeitig können die Handelspartner so sicherstellen, dass die Ware korrekt sowie in vereinbarter Qualität und Quantität verladen wurde. All das geschieht mit dem Ziel, bei Futtermitteln über alle Logistikstufen hinweg stets die höchste Qualität und absolute Sicherheit zu gewährleisten.

Andreas Rath, SGS Group Germany, Hamburg
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