Frankreich bekommt grünes Licht von der EU-Kommission für eine nationale Herkunftskennzeichnung. Künftig muss auf den Produkten, sofern deren Fleisch- oder Milchanteil mindestens 50 Prozent beträgt, die Herkunft der Rohware gekennzeichnet werden. Es handelt sich um eine zweijährige Testphase. Eckhard Heuser vom Milchindustrie-Verband (MIV) bewertet den nationalen Alleingang kritisch, wie er im Interview mit der Lebensmittelzeitung (LZ) berichet. Das angestrebte Gesetz diene einzig und allein der Abschottung der nationalen Märkte, so Heuser. Denn dem Verbraucher werde durch die Kennzeichnung eingebläut, "national" zu kaufen. Diese Renationalisierung passe nicht zum Europäischen Binnenmarkt.

Molkereien beklagen höhere Kosten

Folgen für deutsche Molkereien habe dies bereits mit sich gebracht. Denn nach dem vergangenen Agrargipfel hätten französische Lebensmittelhändler deutsche Ware abbestellt oder die deutschen Molkereien wurden gezwungen, französischen Rohstoff erst nach Deutschland zu transportieren. Das koste 5 Cent je Liter und zerstöre den Markt, so Heuser. Er verweist auf freiwillige Herkunftskennzeichnungen, die völlig ausreichten. In der Vergangenheit habe die Welthandelsorganisation (WTO) sich gegen verpflichtende Herkunftsangaben entschieden, weil sie ein verbotenes Handelshemmnis darstellten. Nun erwartet Heuser einen Dominoeffekt: "Italien, Griechenland, Portugal und andere Länder werden ihr Heil auch in der Kennzeichnung suchen." (az)
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