Eine vollständige Liberalisierung des Agrarhandels verbilligt die Nahrungsmittelerzeugung. Gleichzeitig werden aber Umwelt und Klima gefährdet. Die konträren Wirkungen eines liberalisierten Handels mit Agrarerzeugnissen haben Computer-Simulationen für die Jahre 2005 bis 2045 ergeben, die das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) durchgeführt hat. Die Wissenschaftler haben dabei verschiedene Szenarien durchgerechnet. Wird der Agrarhandel bis 2045 von allen Schranken befreit, würden die Kosten der Agrarproduktion um rund ein Zehntel sinken. Zugleich stiege der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen aus der Landwirtschaft um 15 Prozent gegenüber dem Szenario ohne Ausweitung des Handels. Hauptursache wäre die Verlagerung der Produktion in die tropischen Regionen, wo Urwälder in Ackerflächen umgewandelt würden.

In einem mittleren Szenario der Marktöffnung fiele die Verbilligung der Nahrungsmittelerzeugung nur etwa halb so hoch aus wie bei einer vollständigen Befreiung. Dennoch würden die klimaschädlichen Emissionen um fast 10 Prozent zunehmen. Größter Gewinner des Freihandelsszenarios wäre laut den Potsdamer Wissenschaftlern Lateinamerika durch den wachsenden Export von Getreide und Ölsaaten. Die Agrarexporte Nordamerikas und Europas wären hingegen rückläufig. China könnte führend im Export von Fleisch werden. Angesichts der Studienergebnisse fordern die Wissenschaftler, die Liberalisierung des Agrarhandels und den Klimaschutz in internationalen Verhandlungen nicht länger getrennt zu betrachten. (az)
stats