Grüne Woche

Frittenöl schmiert ab

In Deutschland wackelt das Geschäft mit dem Altspeisefett.
-- , Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de
In Deutschland wackelt das Geschäft mit dem Altspeisefett.

Eine gewisse Unsicherheit war auf der Internationalen Konferenz für Biokraftstoffe „Kraftstoffe der Zukunft 2015“ spürbar. Auf der parallel zur Grünen Woche in Berlin stattfindenden Tagung treffen sich rund 500 Experten für Biokraftstoffe. Ein Thema, das heute und gestern zahlreiche Diskussionen bestimmte, war die Abschaffung der doppelten Anrechenbarkeit von Biokraftstoffen aus Abfall- und Reststoffen in Deutschland. 

Mit der Umstellung auf die von Umweltministerin Barbara Hendricks zum 1. Januar eingeführten Treibhausgasquote verringert sich die Anrechenbarkeit. „Das ist eine Reduktion von dem Faktor 2 auf einen Faktor von vielleicht 1,5 bis 1,7“, bedauert Dr. Bernd Freymann, Geschäftsführer des erst 2013 gegründeten Mittelstandsverband abfallbasierter Kraftstoffe (MVaK). 

Petrotec gebeutelt
Die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen am Biokraftstoffmarkt beuteln die Petrotec AG, Borken. Das Unternehmen stellt seit dem Jahr 2000 Biodiesel aus Speiseabfällen her und ist heute in diesem Bereich nach eigener Aussage Europas größter Produzent. Der überwiegende Rohstoff sind Altspeisefette, umgangssprachlich auch als Frittenöl bezeichnet. Das Unternehmen ist 2014 tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Dezember ist bekannt gegeben worden, dass Petrotec an einen Biosprithersteller in den USA verkauft wird. (db)
Höchst unzufrieden ist er mit der jetzigen Situation. Denn die doppelte Anrechenbarkeit hat in anderen EU-Ländern weiter Bestand. So bestehe die Gefahr, dass Rohstoffe, wie gebrauchte Speisefette für die Herstellung von Biodiesel, in andere Länder strömten, beispielsweise in das Vereinigte Königreich. Freymann fordert eine europaweit einheitliche Regelung ein. Die Situation sei knapp drei Wochen nach der Umstellung noch völlig unklar. Es sei unvorhersehbar, wohin sich der Markt entwickeln werde. 

Biodiesel aus Abfall und Reststoffen machte Branchenberechnungen zufolge im Jahr 2012 einen Anteil von 1,5 Prozent im europäischen Markt aus. Der größte Anbieter ist die Petrotec AG, Borken, die sich seit 2014 in finanziellen Schwierigkeiten befindet (siehe Kasten). (kbo)
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