Axel Mönch zum Stopp für Biokraftstoffe

Lange bevor Windräder die Berge säumten und Sonnenkollektoren die Dörfer bedeckten, eroberte sich das veresterte Rapsöl seinen Platz an den Zapfsäulen. Taxis und Verbandsfunktionäre fuhren vor 20 Jahren als Erste mit Biodiesel durch die Gegend. Der leichte Frittenduft aus dem Auspuff erzeugte das gute Gefühl, gleichzeitig etwas für das Klima und für die Agrarbranche tun zu können. Doch damit soll nun Schluss sein. Die EU-Kommission verabschiedet sich vom Pionier der Energiewende. Das gute Gefühl soll der nüchternen Einsicht weichen, dass Biokraftstoffe der Umwelt kaum nutzen und dafür mit ihrem Flächenverbrauch neue Probleme schaffen. Europaparlamentarier und Umweltverbände hatten schon während der Verabschiedung der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien im Jahr 2009 ihre Zweifel an den Pflanzenkraftstoffen angemeldet.

Die EU-Kommission ließ sich Zeit. Schließlich sind Umweltbilanzen eine komplizierte Sache – vor allem wenn indirekte Wirkungen einer Produktionskette mit einbezogen werden. Alleine auf Basis des umstrittenen Konzepts der indirekten Landnutzung, kurz Iluc, bei dem die Abholzung des Regenwaldes mathematisch mit der Biokraftstoffherstellung verknüpft wird, wäre die EU-Kommission bis heute noch nicht zu einer Entscheidung gekommen. Doch die jüngste Debatte um hohe Getreidepreise verhilft den Gegnern des Biosprits nun zum Durchbruch. Die Trockenheit in den Maisregionen der USA und das Festhalten der Amerikaner an ihrer Ethanolproduktion verschärft die Kritik am Kraftstoff vom Acker. Erst vor diesem Hintergrund traut sich die EU-Kommission, das umstrittene Iluc-Konzept durchzuziehen und vor allem für Biodiesel ganz schlechte Noten in Bezug auf seine Klimawirkungen zu verteilen. Mit einer Beschränkung aller Biokraftstoffe auf die heutigen 5 Prozent am Verbrauch will die Kommission die „Tank oder Teller“-Diskussion um knappe Agrarflächen nun beenden. Alternativen kann die Kommission allerdings nicht anbieten. Während auf dem Strommarkt die Energiewende vorankommt, stockt die Entwicklung im Transportsektor. Bis 2020 sollen 10 Prozent des Verkehrs mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden. Wie das gehen soll, weiß keiner.

Synthetische Biokraftstoffe der 2. Generation sind ein Hoffnungsträger, der in weiter Ferne liegt. Auch mit den wasserstoffgetriebenen Motoren geht es nicht vorwärts. Die EU-Kommission setzt jetzt auf Altöle, die auf das Klimaziel gleich vierfach angerechnet werden sollen. Um nennenswerte Mengen an Altöl zu bekommen, müssten die Frittenbuden überall wie die Pilze aus dem Boden sprießen. Das würde vielleicht die Freunde der Kartoffelstäbchen freuen, zeugt aber von der Konzeptlosigkeit der EU-Kommission hinsichtlich der Energiewende im Transportsektor.

Klar sind in einer Umbruchphase am Ende des Erdölzeitalters die ersten neuen Technologien selten gleich der Weisheit letzter Schluss. Anpassungen müssen vorgenommen werden. Mit einem gewissen Bestandsschutz werden Idealisten und Investoren nicht verprellt. Und diese werden für die kommenden Phasen der Energiewende in Deutschland und in Europa noch dringend gebraucht.
stats