Jahresbilanz

Fungizide überholen Herbizide


Landwirte kaufen weniger Pflanzenschutzmittel und Minieraldünger.
-- , Fotos: pixelio.de/Rainer Sturm
Landwirte kaufen weniger Pflanzenschutzmittel und Minieraldünger.

Nach fünf Jahren Wachstum setzen die deutschen Pflanzenschutzmittelhersteller 2015 mit knapp 1,6 Mrd. € rund 0,5 Prozent weniger um als im Vorjahr, berichtet der Industrieverband Agrar (IVA). Für die Anbieter von Mineraldüngern errechnet der IVA die Branchenzahlen nach Wirtschaftsjahren und Mengen. Hier gab es zwar im Düngejahr 2014/15 noch ein Absatzplus von 9 Prozent bei Stickstoff, dem jedoch in den ersten neun Monaten des laufenden Düngejahres (Juli 2015 bis März 2016) ein Rückgang um 10 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum folgte.

IVA-Präsident wertet Rückgang im Pflanzenschutz als „moderat“

Im Pflanzenschutz war die Entwicklung 2015 nach Produktgruppen uneinheitlich. Während das zuvor größte Marktsegment der Herbizide um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 636 Mio. € schrumpfte, wuchs nach IVA-Angaben der Markt für Fungizide um 5 Prozent auf 711 Mio. € und wurde erstmals zum größten Segment des deutschen Pflanzenschutzmarkts. Weiterhin berichtete der IVA, dass der Markt für Insektizide 2015 um 11 Prozent auf 134 Mio. € zurückgegangen ist. „Angesichts der gravierenden ökonomischen Probleme der Landwirtschaft waren die Umsatzrückgänge im Pflanzenschutzbereich im Vorjahr moderat“, kommentierte IVA-Präsident Dr. Helmut Schramm am Dienstag bei einer Pressekonferenz die Entwicklung. Für 2016 geht er – je nach Witterung – von einem Umsatz auf Vorjahresniveau oder einem leichten Rückgang aus.

Bei Stickstoffdüngern Spekulation auf weiter sinkende Preise

Am Markt für Mineraldünger registriert Prof. Hermann Kuhlmann, Vorsitzender des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung, aktuell ebenfalls Bremsspuren. „Aufgrund des im März und April sehr kühlen Wetters und der niedrigen Erzeugerpreise bei Getreide, Milch und Schweinefleisch ist die Nachfrage der Landwirtschaft nach Stickstoffdünger in der laufenden Saison 2015/16 bis einschließlich März verhaltener als in den Vorjahren“, sagte Kuhlmann in Frankfurt. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr hat es dagegen noch ein Absatzplus gegeben, das Kuhlmann auf lebhafte Käufe besonders im Juni 2015 zurückführte. Diese Mengen sind im alten Wirtschaftsjahr als Absatz verbucht, kommen jedoch als Verbrauch erst in dieser Saison zur Wirkung. Momentan stellt Kuhlmann fest, dass die Düngemittelkäufe noch zögerlicher geworden sind, weil Landwirte und Händler auf weiter sinkende Preise spekulieren. (db)
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