Report Saatgut Mais

Futtersilos brauchen regelmäßige Kontrolle


Glatte Anschnittflächen verbessern die Silohygiene und verlängern die Haltbarkeit der Silage.
-- , Foto: Philipp Pohlmann / pixelio.de
Glatte Anschnittflächen verbessern die Silohygiene und verlängern die Haltbarkeit der Silage.

Die Silomaisernte in Deutschland ist in diesem Jahr extrem unterschiedlich ausgefallen. Während in Süddeutschland aufgrund anhaltender Trockenheit und Hitze die Ernte in weiten Teilen bereits auf Ende August fiel, verzögerte sich die Ernte in Norddeutschland wegen kühler Temperaturen und anhaltendem Regen um bis zu vier Wochen nach hinten.

Der Silomais ist in Nordniedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zum Teil gerade erst unter der Folie angekommen. Die Siloreife ist in einigen Beständen Norddeutschlands nur knapp erreicht worden.

Sowohl die Energiedichte der Maissilage als auch die TS-Gehalte werden in den nördlichen Regionen in diesem Jahr eher unterdurchschnittlich ausfallen, da die Einlagerung von Stärke in den Kolben bei kühlen Temperaturen kaum stattgefunden hat. Bestände, die sehr grün und feucht einsiliert wurden, werden in der Regel höhere Zuckergehalte aufweisen, die für den Silierprozess zunächst positiv zu bewerten sind.

Im weiteren Silagemanagement führen hohe Restzuckergehalte in den Silagen jedoch schneller zu Nacherwärmungen oder auch Schimmelbildung. Beides führt zu hohen Verlusten in der Silomiete.

Reifezeit muss sein

Besonders problematisch sind Maissilagen, die nach dem Einsilieren zu schnell wieder geöffnet werden. Ein normaler Silierprozess dauert etwa sechs Wochen. Silagen, die in diesem Prozess geöffnet werden, neigen besonders stark zu Nacherwärmung und Verderb. Denn beim Öffnen wird in einen aktiven, mikrobiellen Prozess eingegriffen und die Silierung dabei gestört. Stoffwechselendprodukte, wie zum Beispiel die konservierende Essigsäure, können nicht in ausreichender Menge produziert werden und die Silage ist nach dem Öffnen nicht lagerstabil.

Die Herausforderungen in Süddeutschland unterhalb der Mainlinie sehen dagegen in diesem Jahr ganz anders aus: Die Lagerdauer der Silage bis zum Öffnen der Miete wird in den meisten Betrieben eingehalten, da die Ernte bereits Ende August stattfand. Viele Bestände wurden notreif beerntet, da aufgrund von Trockenheit und Hitze die Pflanzen in den unteren Blattetagen bereits komplett vertrocknet waren. Die optimalen TS-Gehalte für Silomais, die zwischen 30 und etwa 36 Prozent liegen, wurden in vielen Betrieben überschritten. Die Gefahr einer nicht ausreichenden Verdichtungsleistung steigt mit dem TS-Gehalt des Ernteguts. Ab einem TS-Gehalt von 40 Prozent ist eine ausreichende Verdichtung vor allem in den oberen Bereichen des Silos kaum noch zu realisieren.

Der Silierprozess ist in trockenem Silomais als unproblematisch einzustufen. Schwierigkeiten entstehen in diesem Falle oft nach dem Öffnen der Silomieten. Trockenes Material besitzt ein größeres Porenvolumen, durch das die Luft schneller und tiefer in das Silo eindringen kann. Die aerobe Stabilität der Miete ist somit schlechter und dies führt zu hohen Verlusten durch Nacherwärmung in den Mieten.

Viele Messstellen notwendig

Nacherwärmung bedeutet, dass die Temperaturen in den oberen Schichten der Miete und auch in den Randbereichen um mehr als 5°C im Vergleich zur Kerntemperatur der Miete abweichen. Die Kerntemperatur wird im unteren mittleren Bereich der Miete ermittelt und sollte bei Maissilage, die unter Normalbedingungen geerntet wurde, zwischen 12°C und 20°C liegen. Am besten ist es, bei gefährdeten Silagemieten besonders aufmerksam zu sein. Silagemieten, die aus den genannten Gründen in puncto Nacherwärmung gefährdet sind, sollten mindestens zwei Meter Vorschub pro Woche in den Wintermonaten haben. Außerdem müssen Erzeuger auf eine gute Mietenhygiene achten – also eine möglichst glatte Anschnittsfläche schaffen. Außerdem sollte kein loses Material vor dem Silo liegen. Als Luftbarriere sind Sandsäcke an der Anschnittsfläche dringend zu empfehlen. Solche gefährdeten Mieten sollten nicht zu weit abgedeckt werden. Bei den täglichen Kontrollen muss die Temperatur gemessen und der Mais optisch und sensorisch beurteilt werden.

Die Abreife- und Erntebedingungen stellten die Landwirte in diesem Jahr vor besondere Herausforderungen. Die geernteten Maissilagen benötigen in den nächsten Monaten ein besonderes Augenmerk.

Christine Schmidt, KWS Saat SE, Einbeck
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