GVO-Grenzwerte erforderlich

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Pflanzenzüchter brauchen unbedingt Grenzwerte für Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Die in Deutschland fehlende Rechtsgrundlage öffne dagegen Willkür Tür und Tor. Dies beklagte Dietmar Brauer, Norddeutsche Pflanzenzucht, Hohenlieth, heute beim Internationalen Saatgutkongress in Hannover. Brauer machte deutlich, dass es bei den politischen Rahmenbedingungen um mehr als nur Saatgut ginge. Seiner Ansicht nach geht von dem derzeitigen Quasi-Null-Grenzwert für GVO eine Gefahr für die gesamte Agrarwirtschaft aus. Ein solcher Null-Grenzwert für GVO verstoße gegen die Naturgesetze und sei nicht erfüllbar.

Von der Ablehnung der GVO in Europa sind auch Kanadas Landwirte betroffen. Henry Vos, Farmer und Saatgutvermehrer aus Kanada, berichtete auf dem Saatgutkongress, dass herbizidtoleranter Weizen in Kanada zwar fast praxisreif sei, jedoch zurzeit nicht angebaut werde. In Kanada fürchtet die Getreidewirtschaft, dass bei Anbau von GV-Weizen wichtige Exportmärkte in Europa gefährdet sein könnten. Bei Canola-Raps, der in Kanada heute zu 80 Prozent aus GV-Sorten stammt, werde schon seit zwei Jahren nicht mehr in die EU exportiert.

Wenn Märkte für GVO-freie Produkte existieren, ist eine getrennte Vermarktung interessant. Sie wird allerdings vor allem für den Handel sehr teuer. Dies zeigte beim Saatgutkongress Andre d'Olne vom Beratungsbüro Arcadia International. Er hat ausgerechnet, wie teuer eine Separierung von GV-freiem Sojaschrot in den verschiedenen Wertschöpfungsketten bis hin zur Fleischproduktion kosten würde. Nach seinen Berechnungen fallen die höchsten Kosten im Handel und bei den Ölmühlen an. Teilweise überschritten die Mehrkosten bei weitem die Gewinnmargen, die überhaupt in der jeweiligen Stufe erzielt würden. Deswegen lautete die Forderung d'Olnes, dass der Gesetzgeber die ökonomische Relevanz von Grenzwerten für alle Stufen der Produktion bedenken sollte. (db)
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