Gedämpfte Erwartungen an Spitzentreffen


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Während die Fleischbranche in Deutschland gut aufgestellt ist und ihre Exportleistung am vergangenen Jahr um rund 20 Prozent steigern konnte, liegt bei der Molkereiwirtschaft noch einiges im argen. Es fehlten Voraussetzungen, die Drittlandmärkte mit Milch und Molkereiprodukten gut bedienen zu können, sagte Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staaatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium vor der Landesversammlung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Herrsching am heutigen Freitag.

Die Milchquotenregelung habe jahrzehntelang ein marktgerechtes Verhalten der Molkereiwirtschaft, aber auch der Milcherzeuger verhindert. "Mittelfristig müssen wir uns nach vorne entwickeln", forderte er. Jährlich wachse der Milchbedarf weltweit um rund 4 Prozent, aber die Produktion lege lediglich um 2 Prozent zu. Müller erwartet von der Milchwirtschaft überzeugende Konzepte für die Zukunft. Der aktuelle Milchpreisverfall sei die Folge eines vorübergehenden Verbrauchsrückgangs. Mit Mengensteuerung könne man dagegen nicht angehen. Der Staatssekretär bedauerte, dass die heimischen Landwirte durch den Milchlieferboykott des vergangenen Jahres Märkte verloren haben.

Die deutschen Molkereien müssten endlich Strukturen entwickeln, damit sie "nicht mehr vom Lebensmitteleinzelhandel bei den Listungsverhandlungen erpresst werden können." Im Hinblick auf das Gipfeltreffen der Lebensmittelkette am Dienstag dem 28. April 2009 in Berlin sagte Müller: "Die Vertreter des Lebensmittelhandels brauchen erst gar nicht ins Ministerium zu kommen, wenn sie nicht garantieren, dass sie den Preisdruck beenden." BBV-Präsident Gerd Sonnleitner erwartet von dem Spitzengespräch keinen Durchbruch. "Der Milchgipfel im vergangenen Jahr hat nur heiße Luft gebracht, bei dem großen Kreis, der sich in der kommenden Woche in Berlin trifft, wird vermutlich doppelt heiße Luft produziert," meinte er.(HH)

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