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Das Geschäft mit Sommersaatgetreide ist in diesem Frühjahr noch nicht recht in Gang gekommen. Die Erwartungen der Marktpartner für die weitere Entwicklung bleiben jedoch gedämpft. Frei gewordene Stilllegungsflächen sind zum einen bereits mit Wintergetreide bestellt. Zum anderen zwingt die unzureichende Liquidität viele Betriebe zum Sparen, auch beim Zukauf von Z-Saatgut. Die meisten Marktteilnehmer sehen für den Frühjahrsmarkt bei Saatgetreide in diesem Jahr eher dämpfende Faktoren. So ist die Herbstbestellung mit Wintergetreide fast überall unter günstigen Bedingungen möglich gewesen und entsprechend ausgedehnt worden. Da sich das Wintergetreide bislang überwiegend gut entwickelt hat, sind jetzt auch keine nennenswerten Auswinterungsschäden mehr zu erwarten. Aus den frei gewordenen Stilllegungsflächen wird für den Anbau von Sommergetreide keine nennenswerte Z-Saatgutnachfrage mehr entstehen. Denn der Absatz von Z-Saatgut kollidiert mit großen Nachbaumengen, die auf den Getreidebetrieben aus der Ernte 2003 in meist guter Saatgutqualität zur Verfügung stehen. Der eigene Nachbau wird sich nach Einschätzung der Marktbeobachter wie im vergangenen Herbst auch in den kommenden Wochen wiederholen. Hier drückt sich auch die schwierige Liquiditätslage vieler Betriebe im Osten aus, die trotz Erholung der Konsumgetreidepreise beim Z-Saatgut-Zukauf sparen. Entsprechend groß ist der Druck am Saatgetreidemarkt, da aus größeren Vermehrungsflächen 2003 reichlich Z-Saatgut zur Verfügung steht.

Die wenigen Optimisten im Markt weisen darauf hin, dass man die gegenwärtige Entwicklung nicht mit der im Frühjahr 2003 unmittelbar vergleichen dürfe, als von einer weit größeren Sommerungsfläche gegenüber diesem Jahr und von einer lebhafteren Kontrakttätigkeit im Braugerstensektor erhebliche Nachfrageimpulse ausgegangen waren. Die hohe Aussaatfläche des Vorjahres dürfe nicht als Messlatte für 2004 dienen. Nachdem jetzt in den Braugerstenregionen die Sortendiskussion weitgehend beendet sei, werde früher oder später von dieser Seite noch Bedarf auftreten, heißt es im Handel. Dennoch werde die Sommergerstenfläche in diesem Jahr voraussichtlich zurückgehen, schätzen Marktpartner. Auch für Sommerweizen und Hafer werden kleinere Flächen erwartet.

Ein Entlastungsfaktor für den Markt stellt die Ausfuhr in eine Reihe osteuropäischer Staaten dar, die unter der Trockenheit des vergangenen Jahres besonders gelitten haben und deshalb weniger Saatgut erzeugen konnten. Die Preisdiskussion auf dem Saatgutmarkt wird dadurch aber nur unwesentlich entschärft, berichtet die Agrarzeitung Ernährungsdienst in ihrer heutigen Ausgabe. (ED)

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