Positionspapier

Geflügelwirtschaft verschärft Biosicherheit

Freilandeier sollen länger aus dem Stall stammen dürfen, fordert der ZDG
-- , Foto: Okapia/imageBROKER/Torsten Krüger
Freilandeier sollen länger aus dem Stall stammen dürfen, fordert der ZDG

Schon seit Längerem ist der Geflügelwirtschaft klar, dass Eier und Fleisch unter einem sehr hohen Biosicherheitsstandard produziert werden müssen. Nachdem die Vogelgrippe aber noch nie so stark zugeschlagen hat wie im vergangenen Winter, veröffentlicht der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) jetzt einen Katalog mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Ganz konkret geht es um den Umgang mit Stroh, der Lüftung und der Hygiene. Allgemeiner müssen aber auch die Abläufe zwischen Tierhaltern, Dienstleistern und Behörden optimiert werden, fordert der ZDG.


Investition in die Sicherheit

Die Putenwirtschaft war in dem vergangenen Winter von den H5N8-Ausbrüchen besonders häufig betroffen. Daher richten sich die empfohlenen Maßnahmen vor allem an Putenhalter, deren Ställe meist offen und mit Netzen gegen die Umwelt abgegrenzt sind. Auf die Halter kommt einiges zu: Sie sollen unter anderem das Umfeld der Ställe für Wildvögel unattraktiver gestalten und Tiere vergrämen. Besondere Sorgfalt wird auch beim Einstreuen verlangt. Stroh ist als Beschäftigungsmaterial in der Putenmast erwünscht und notwendig. Über standortgebundene Einstreumaschinen und Abdeckung der Strohlager soll vermieden werden, dass über das Stroh das Virus von Stall zu Stall getragen wird. Der Bereich um den Stall herum sollte für Reinigungs- und Desinfizierarbeiten geeignet sein, also sollte der Hof dort zum Beispiel gepflastert sein. Auch werden Hygieneschleusen, Desinfektion aller Maschinen und Gerätschaften und Schleusen für Falltiere empfohlen. Besondere Maßnahmen sind bei schwierigen Witterungsbedingungen wie starkem Wind zu ergreifen, dazu zählen das Schließen der Ställe an der Windseite oder die zeitliche Verschiebung der Verladung getöteter Tiere.

Harmonisierungsbedarf angemeldet

Auch wenn in dem Positionspapier die Zusammenarbeit mit den Veterinärbehörden generell als positiv bewertet wird, listet der ZDG einige kritische Punkte auf. Gefordert wird unter anderem ein einheitliches, strukturiertes behördliches Vorgehen. Hintergrund ist unter anderem, dass der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) entgegen den Rat von Experten das Keulen eines Putenbestandes vermeiden wollte. Auch wird bemängelt, dass die Zeitspanne zwischen der Probennahme und dem Erhalt der Ergebnisse in einigen Bundesländern zu lang war. Der ZDG fordert, dass die Ergebnisse von Proben innerhalb von 12 Stunden vorliegen müssen. Auch ein "permanent ansprechbarer Einsatzleiter" bei Bestandsräumungen sowie die Unterstützung durch Landeslabore, Bezirksregierungen und Kreisverwaltungsbehörden bei Betriebsschulungen sind Teil des Forderungskatalogs.


Handelsrestriktionen genauer definieren

Auch zu den wirtschaftlichen Auswirkung äußert sich der Verband. Insbesondere die Erzeuger von Freilandeiern mussten ökonomische Einbußen hinnehmen, weil sie ihre Tiere im Stall zu halten hatten. Nach 12 Wochen Stall verlieren die Eier den lukrativeren Status des Freilandeis. Die Geflügelwirtschaft fordert, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Verlängerung der 12-Wochenfrist auf 20 Wochen möglich sein muss. Gänsehalter sollen von der Stallpflicht befreit sein. Auch sollen sie von den Beprobungskosten entlastet werden. 
Bei den Handelsrestriktionen verlangt der Verband mehr Präzision. Mehrfach wurden für offensichtlich nicht gewerbliche Kleinstbestände Restriktionszonen eingerichtet, die die entsprechenden Konsequenzen nach sich zogen, kritisiert das Papier. Hier wird dringendern Bedarf gesehen für die Zukunft zu klären, wie die Einstufung der Bestände vorzunehmen ist.


Lob für FLI

Als eine gelungene Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird die gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) entwickelte „Checkliste zur Vermeidung der Einschleppung der Klassischen Geflügelpest“ bezeichnet. Diese Art der konstruktiven Zusammenarbeit wünsche sich die Geflügelwirtschaft auch für die Zukunft. Das vollständige Konzept gibt es beim ZDG. (kbo)
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