Bauernpräsident Rukwied mit den Vertretern der Obst- und Gemüsebauern Franz Josef Müller (mitte) und Ludwig Schmitt
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Bauernpräsident Rukwied mit den Vertretern der Obst- und Gemüsebauern Franz Josef Müller (mitte) und Ludwig Schmitt

Auf dem Bauerntag in Bad Dürkheim fordern Obst- und Gemüsebauern Ausnahmeregelungen für Erntehelfer, die sozialversichehrungsfrei beschäftigt werden. „Sonst wandert der Anbau von Sonderkulturen wie Erdbeeren oder Spargel ab in Länder, in denen das Lohnniveau nur ein Viertel des deutschen Mindestlohns beträgt“, fürchtet Ludwig Schmitt, Vorsitzenden der rheinland-pfälzischen Obstbauern.

Rund 330.000 Saisonarbeitskräfte vor allem aus Osteuropa werden jährlich zur Pflege und Ernte von Sonderkulturen wie Wein, Spargel, Salaten oder Feldgemüsesorten für wenige Wochen im Jahr auf den Höfen in Deutschland beschäftigt. Die Arbeitskosten erreichen bei den Sonderkulturen bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten.

„Wenn der Lebensmitteleinzelhandel und die Verbraucher weiterhin kostenbewusst einkaufen, haben unsere Familienbetriebe, die sich auf Sonderkulturen spezialisiert haben, keine Chance", unterstützt Rukwied die Argumentation.

Die Transportkosten aus Spanien, Polen oder Frankreich fallen kaum ins Gewicht, rechnet DBV-Vizepräsident Norbert Schindler vor. Schmidt fürchtet sogar Gemüselieferungen aus Bulgarien oder Rumänien könnten sich dann im großen Stil lohnen. „Bei einem Mindestlohn von 2,21 € in Polen und 92 Cent in Rumänien verlieren wir bei einem deutschen Mindestlohn von 8,50 € unsere Wettbewerbsfähigkeit“, befürchtete Obstbauer Schmitt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der jetzigen Gesetzesvorlage wurden Vertretern der Bundestagsfraktionen, Arbeitsministerin Andrea Nahles und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bereits aufgezeigt. Der Koalitionsvertrag sieht Ausnahmen von der Mindestlohnregelung vor. Bislang gibt es jedoch keine Signale für Ausnahmeregelungen für Saisonarbeiter. Über den Mindestlohn wird der Bundestag in der folgenden Woche abstimmen. (brs)
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