Report Saatgut Mais

Genügend Platz für jedes einzelne Saatkorn

Mobile Kontrolle auf dem Schlepper.
-- , Fotos: Baywa
Mobile Kontrolle auf dem Schlepper.

Mithilfe teilflächenspezifischer Saatgutapplikation lassen sich unterschiedliche Ertragspotenziale innerhalb der Schläge besser nutzen. Das zeigt eine erste Auswertung von Versuchen aus diesem Jahr. Dieser Effekt ist vor allem in inhomogenen Schlägen beispielsweise am Hang verstärkt erkennbar.

In einem umfangreichen Pilotprojekt von Baywa und Farm-Facts wurde die teilflächenspezifische Aussaat von Mais im Praxisanbau getestet. Hier gingen Saatgutkompetenz sowie Pflanzenbauwissen, Maschinen-Know-how und Software-Expertise Hand in Hand. Drei Kooperationspartner waren am Start: Planterra mit seiner Saatgutkompetenz, Baywa und FarmFacts. Die FarmFacts-Akademie stand für die Smart-Farming-Beratung zur Seite. Als digitale Lösung wurde Next-Farming, die cloudbasierte Software von FarmFacts, eingesetzt.

Grundlage der teilflächenspezifischen Aussaat ist die Information über das Ertragspotenzial des jeweiligen Schlagabschnittes. Anhand dieser Kenntnisse wird die Saatstärke dann automatisch an die Bodenbedingungen angepasst. So konnte Mitte April 2016 die teilflächenspezifische Aussaat auf sechs verschiedenen Standorten, verteilt in Oberbayern, Niederbayern und Unterfranken, erprobt werden. Zum Einsatz gekommen sind die Maissorten ES Eurojet, ES Cockpit und PM Paolo im Zusammenspiel von modernster Technik – einem Gespann aus einem Fendt 516 Vario und einer 8-reihigen Horsch Maestro 8.75 CC.


Elektrischer Antrieb erlaubt Veränderungen bei laufender Sämaschine.
--
Elektrischer Antrieb erlaubt Veränderungen bei laufender Sämaschine.

Isobus-Verbindung ist Bedingung

Der Fendt-Traktor war mit einem RTK-Lenksystem ausgestattet. In Kombination mit dem sogenannten Section-Control-System bildet dieses Gespann die technische Ausstattung für die teilflächenspezifische Bearbeitung. Die Sämaschine verfügt über ein VRC-System (Variable Rate Control), das eine Veränderung der Saatstärke während der Fahrt erlaubt. Kernelemente dabei sind der elektrische Säantrieb und die Isobus-Verbindung zum Schlepper.

Der Erfolg der teilflächenspezifischen Aussaat ist von vielen einzelnen Faktoren abhängig: Im Vorfeld wurden mithilfe der Software Applikationskarten, sogenannte Talking-Fields-(TF-)Karten, für die gewählten Schläge erstellt. Diese Karten werden auf Basis von Biomassepotenzialkarten durch Satelliten ermittelt. Unterteilt wird in fünf Ertragspotenzialzonen. Diese werden als eine Art Kacheln mit verschiedenen Farben gekennzeichnet. In Zusammenarbeit mit der Baywa-Pflanzenbauberatung wurden diesen Ertragszonen je nach Sorte und Verwendung unterschiedliche Saatstärken im Bereich von 6 bis 11 Körner/m² zugeordnet.

Diese TF-Karten werden anschließend drahtlos auf das Terminal des Traktors aufgespielt. Mittels GPS und dem RTK-Lenksystem wird die Position der Zug- und Sämaschine auf dem Schlag bestimmt und je nach Kachel – und somit Bodenbeschaffenheit – mehr oder weniger Saatgut ausgebracht. Dies geschieht durch eine elektronisch gesteuerte Vereinzelung an den einzelnen Säelementen. Diese Technik bietet auch die Möglichkeit einer automatischen Reihenabschaltung, beispielsweise für die überlappungsfreie Saat im Vorgewende. Die Bonitur der Flächen zeigte, dass die variablen Bestandesdichten entsprechend den TF-Karten umgesetzt wurde.

Potenzial ausschöpfen

Ziel des Projekts ist, die Auswirkungen einer teilflächenspezifischen Aussaat zu untersuchen. Durch eine ideale Platzierung des Saatguts werden vielfältige Potenziale genutzt. Die Lagerneigung wird verringert, weniger Fingerkolben ausgebildet und vorhandene Ressourcen bestmöglich ausgenutzt und somit ein optimaler Ertrag pro Schlag erzielt.

Erste Auswertungen der Versuche zeigen, dass sich mithilfe teilflächenspezifischer Saatgutapplikation unterschiedliche Ertragspotenziale innerhalb der Schläge besser nutzen lassen. Darum wird die Kooperation FarmFacts und Planterra in einer ersten Pilotphase im Frühjahr 2017 bereits ein neues Servicepaket zu diesem Thema anbieten, das zu einem Komplettpreis pro Hektar diese innovative Technik den Landwirten zur Verfügung stellt.

Horst Spateneder,
Baywa AG, München
stats