Der Hunger auf der Welt ist für die bundesdeutsche Agrarministerin Ilse Aigner ein Armuts- und Verteilungsproblem. Die Ministerin reist für eine Woche nach Südamerika. "Hohe Getreidepreise sind kein Grund für deutlich teureres Brot", sagte Aigner im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur dpa kurz vor ihrer Abreise nach Brasilien und Argentininen am Wochenende. Die auf Grund der Dürre in den USA gestiegenen Getreidepreise haben nur begrenzte Folgen für Verbraucher in Deutschland.

«Getreide selbst macht im Schnitt nur rund vier Prozent des Brotpreises aus», sagte Aigner gegenüber dpa. Für eine deutliche Anhebung der Preise für Brot und Brötchen gebe die derzeitige Entwicklung der Getreidepreise daher «keine wirkliche Rechtfertigung». Weitaus stärker ins Gewicht fallen die hohen Kosten für Öl, Gas und Löhne. Für Tierhalter werde jedoch das Futter teurer. 
 
Die Ministerin rechnet mit einer weiter angespannten Lage auf den internationalen Agrarmärkten. Die Nachfrage bleibe hoch, Lagerbestände seien relativ niedrig.

«Es gibt nach wie vor ausreichend Nahrung für alle Menschen», sagte sie. «Hunger ist ein Armuts- und Verteilungsproblem.» Die Bundesregierung unterstütze Investitionen, um die Produktivität der Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu erhöhen. Verluste bei Ernte, Lagerung und Transport müssten kleiner werden.

Aigner verwies auf verschiedenen Maßnahmen, die die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer vor einem Jahr beschlossen hatten, um extreme Preisschwankungen für Nahrungsmittel zu vermeiden. Sie erwähnte das Marktbeobachtungssystem für die wichtigen Rohstoffe Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen.
 
Zudem sollten Aufsichtsbehörden die Kompetenz bekommen, Positionen von Finanzinvestoren an den Terminmärkten zu begrenzen. (az) szmtag
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