Report Landtechnik

Getreide und Wirtschaftsdünger gemeinsam auf Achse


Die Lkw bringen die Gülle direkt in die Ackerbauregionen in Ostniedersachsen, Mecklenburg und Sachsen-Anhalt. Als Rückfracht transportieren sie Getreide nach Südoldenburg.
-- , Fotos: NOM
Die Lkw bringen die Gülle direkt in die Ackerbauregionen in Ostniedersachsen, Mecklenburg und Sachsen-Anhalt. Als Rückfracht transportieren sie Getreide nach Südoldenburg.

Den langen Sattelzügen, die auf dem Betriebshof des Lohnunternehmens Schillmöller in Bakum bei Vechta stehen, sieht man ihre Fracht nicht an. „Gemeinsam stark – NOM“ steht in großen Lettern auf den Außenwänden der Auflieger. NOM steht für „Nährstoffverwertung Oldenburger Münsterland“ – einem noch jungen Logistikdienstleister, dessen Gesellschafter Lohnunternehmen, eine große Genossenschaft und eine Nährstoffbörse aus der Region sind.

Grundwasser soll profitieren

In einem Büro, das die NOM beim Lohnunternehmen Schillmöller angemietet hat, sitzt der Ideengeber der Kombiliner, Ludger Feldhaus. Der Mitgesellschafter und Geschäftsführer der NOM war viele Jahre in leitender Funktion bei einem großen Mischfutterhersteller beschäftigt. Seine ausgezeichneten Kontakte in der Branche nutzte er, um ein völlig neues Konzept der Logistik für flüssige Wirtschaftsdünger zu entwickeln und zu etablieren. „Ökologische und sozialpolitische Wirkmechanismen werden miteinander verbunden; das Grundwasser soll im Oldenburger Münsterland wieder sauber werden“, so das selbst gesteckte Ziel der NOM.

„Wenn ich früher aus meinem Büro geschaut habe, konnte ich immer die nur zur Hälfte beladenen Lastzüge mit Getreide sehen“, berichtet Feldhaus. Um das maximal zulässige Gesamtgewicht von 40 t nicht zu überschreiten, können die Lkw nur rund 25 bis 27 t aufnehmen, für die nur ein Teil des Laderaums benötigt wird. Feldhaus wusste, dass gleichzeitig große Mengen an Wirtschaftsdüngern in die Ackerbauregionen exportiert werden müssen, da die Nährstoffe im Weser-Ems-Gebiet bei Weitem nicht pflanzenbaulich genutzt werden können.

Aus diesen Beobachtungen entstand der Plan, ein Fahrzeug zu entwickeln, das beides kann: Wirtschaftsdünger und Futtermittel zu transportieren, in einer Frachtfolge und das auch nach GMP-Standard. Leerfahrten könnten so vermieden werden, denn in der einen Richtung wird Getreide aus den Ackerbau- in die Veredelungsregionen gebracht und in der anderen Richtung werden Nährstoffe als flüssiger Wirtschaftsdünger zurück in die Ackerbauregionen transportiert. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Die Transportkosten sind geteilt, der Nährstoffkreislauf wird geschlossen und alle Beteiligten profitieren. Klar war, dass die Fahrzeuge so konstruiert sein müssen, dass Gülle und Getreide strikt in voneinander getrennten Kammern transportiert werden. Von den Fahrzeugbauern wurden so unterschiedliche Aufliegerkonzepte entwickelt, für die ein griffiger Name gefunden wurde: Kombiliner.

Be- und Entladen wichtig

Dabei entstanden verschiedene Bautypen. Wichtig sei, dass der Lastzug gute Fahreigenschaften behalte, ganz gleich, ob der Auflieger mit Wirtschaftsdüngern oder Getreide beladen ist, erklärt Feldhaus. Und auch das Be- und Entladen sollte möglichst unkompliziert möglich sein. Anfangs wurde der Auflieger jeweils vorne und hinten mit einem Gülletank ausgestattet und in der Mitte ein Behälter für Getreide eingebaut. In einer anderen Bauart sind die Gülletanks längs, links und rechts in die Seitenwände des Aufliegers integriert. Weil beim Anfahren, Bremsen und bei Kurvenfahrten große Kräfte auf die Tankwände wirken, müssen diese sorgfältig verarbeitet sein.

Sehr gut bewährt habe sich schließlich die einfachste Konstruktion, so Feldhaus. Dabei wird in einen großen Muldenkipper ein runder Tank verschraubt - eine Kombination von zwei Lkw-Typen, die tausendfach jeden Tag auf den Straßen unterwegs sind. Beim Beladen von Getreide wird das Schüttgut von oben eingefüllt und verteilt sich rund um den Tank von selbst. Neben der großen Stabilität habe diese Bauart den Vorteil, dass das Schüttgut nach hinten abgekippt werden kann. Zum vollständigen Entleeren muss keine Grube oder Gosse vorhanden sein.

Heute sind bei der NOM bereits ein gutes Dutzend Kombiliner in verschiedenen Bauarten das ganze Jahr über unterwegs. Am frühen Morgen, manchmal auch schon am Vorabend, nehmen die Fahrer die Gülle auf. Zwischen 7 und 8 Uhr treffen sie an den Abladestationen im östlichen Niedersachsen oder im westlichen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg ein, um die Gülle abzugeben. Einige der Abnehmer produzieren Biogas. Sie können sich so den Güllebonus sichern und gleichzeitig die in der Gülle enthaltene Energie nutzen. Andere Lagermöglichkeiten in den Ackerbauregionen sind noch vorhandene Güllesilos ehemaliger Milchviehbetriebe. Nach dem Abladen fahren die Kombiliner zu einem Landhändler, um dort Getreide für die Mischfutterwerke im Westen Niedersachsens zu laden. Doch nicht nur Getreide, auch gewaschener Kies von der Weser für Betonwerke oder Kalkdünger werden transportiert.

Mit einigen Partnern konnten sogar ganz kurze Lieferwege vereinbart werden. „Die Ackerbaubetriebe nehmen von uns die Gülle ab und geben ihr eigenes Getreide mit“, berichtet Feldhaus. Bei all diesen Geschäften ist die NOM nur Dienstleister für die Logistik. Der Getreidehandel hingegen bleibt das Geschäft von Landwirten, Landhändlern und Futtermühlen. Für den Erfolg des Konzepts sei Transparenz ein entscheidender Faktor, betont Feldhaus. Die Nährstofffrachten werden dokumentiert, sodass nachvollziehbar bleibt, wer Gülle abgegeben und wer sie auf den Feldern aufgenommen hat. Alle Fahrzeuge sind zudem mit einer GPS-Dokumentation ausgestattet, die alle Fahrten mit Gülle lückenlos archiviert.


Die Gülletanks sind links und rechts integriert. Dazwischen ist Platz für das Getreide.
-- , Fotos: NOM
Die Gülletanks sind links und rechts integriert. Dazwischen ist Platz für das Getreide.

Aktionsradius größer

Der kontinuierliche Transport entzerrt die Logistik im Frühjahr, wenn die Gülle auf die Felder vor Ort ausgebracht wird. Durch die Einnahmen aus der Rückfracht können die Kombiliner die Gülle deutlich weiter verbringen als klassische Tanklastzüge. „Der Aktionsradius wächst so um 100 Kilometer auf bis zu 250 Kilometer“, berichtet Feldhaus. Je weiter man sich von den Veredelungszentren entfernt, umso mehr seien die aufnehmenden Landwirte bereit, für die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe zu zahlen. Die Kosten für die abgebenden Betriebe schwanken saisonal. Wer während der Sperrfrist im Winter Gülle abgeben muss, zahlt 11 bis 13 €/m3. Im März und April, wenn die Gülle für die Frühjahrsdüngung gefragt ist, sinken die Kosten auf 9 bis 10 €/m3. In dieser Zeit wird es für die Aufnehmer etwas teurer, denn sie müssen etwa 2 €/m3 mehr bezahlen.

In den weiter entfernt gelegenen Ackerbauregionen steigt das Interesse an der Gülleabnahme, hebt Feldhaus hervor. „Dass Gülle und Gärreste ein hochwertiger und kostengünstiger Dünger sind, spricht sich unter den Ackerbauern herum. Die Mikrobentätigkeit im Boden wird positiv beeinflusst und die Ertragssicherheit gerade bei schwierigen Witterungsbedingungen legt zu. „In der Weser-Ems-Region könnte sich das mit Nitrat belastete Grundwasser wieder regenerieren und sauberer werden“, hofft Feldhaus. SB

Planung erspart Leerfahrten

Nach der Gründung der Nährstoffverwertung Oldenburger Münsterland (NOM) 2013 ist die transportierte Güllemenge ständig gewachsen. Der organisatorische Aufwand war am Anfang recht groß. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen plant Geschäftsführer Ludger Feldhaus die Touren. Ziel ist es, Leerfahrten möglichst zu vermeiden, das heißt in der Nähe des Abladeorts für Gülle sollte auch die Rückfracht aufgenommen werden können. Inzwischen werden von der NOM pro Jahr 100000 bis 120000 m3 Gülle vermittelt und verbracht. Ein Teil davon wird im Frühjahr in der näheren Umgebung ohne Rückfracht abgefahren, denn in der Hochsaison der Gülledüngung benötigen die Lohnunternehmen ihre gesamte Transportkapazität für die Kunden im näheren Umkreis. Als Rückfracht transportiert die NOM mittlerweile etwa 80000 t Getreide, Kies und Kalkdünger. (SB)
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