Die Auseinandersetzungen um den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland reißen nicht ab. Kritiker bemängeln einen unkoordinierten Netzausbau und soziale Ungerechtigkeiten.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat Deutschland aufgefordert, bei der Energiewende das Tempo zu drosseln. Derzeit werde die Stromproduktion nicht mit den Übertragungsnetzen und Speichermöglichkeiten abgestimmt, kritisierte Oettinger heute im ARD-Morgenmagazin. Außerdem müsse sich Deutschland beim Ausbau stärker mit den europäischen Nachbarn absprechen. Der EU-Kommissar forderte „eine Generalrevision" des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).  

Kritik an der Ökostromförderung durch das EEG übte heute auch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. (IW). In einer Studie kommen die Ökonomen zu dem Urteil, dass die Ökostrom-Umlage eine „soziale Schieflage" erzeuge. Laut der Untersuchung werden Geringverdiener stärker durch die Umlage belastet, als wohlhabende Haushalte. Für die zehn Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen mache die Förderung der erneuerbaren Energien 2013 rund 1,3 Prozent des Einkommens aus. Für das am besten verdienende Zehntel der Bevölkerung liege dieser Anteil dagegen nur bei 0,2 Prozent, so die Wissenschaftler.

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) bezeichnete die Studie als einen „gezielten Versuch", die erneuerbaren Energien für soziale Not in Deutschland verantwortlich zu machen. Dieser diene ausschließlich dazu, „Stimmung gegen die Energiewende zu machen", werde aber den mittel- und langfristigen Wirkungen von Investitionen in Erneuerbare Energien nicht gerecht. Durch die Energiewende werde erst die Voraussetzung geschaffen, dass Energie für künftige Generationen bezahlbar bleibt, so der BEE. Für die einkommensschwächsten Haushalte müssten staatliche Transferleistungen den realen Lebenshaltungskosten angepasst werden, forderte der Verband. (sch)

stats