Jahresbilanz

Glencore in Turbulenzen


Riesenverlust
Im Jahr 2015 weist der Konzern 6,3 Mrd. US-$ außergewöhnliche Belastungen aus, die hauptsächlich aus Wertberichtungen und Kapazitätsabbau im Metall-, Öl- und Kohlegeschäft stammen. Unter dem Strich entsteht 2015 ein Konzernverlust von 8,1 Mrd. US-$, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 2,4 Mrd. US-$ verbucht worden war. Von dem aktuellen Verlust gehen knapp 5,0 Mrd. US-$ auf das Konto der Aktionäre. Gut 3,1 Mrd. US-$ müssen in den Beteiligungen abgeschrieben werden. (db)
Mit einem Milliarden-Verlust für die Aktionäre und dem Versprechen, Schulden weiter abzubauen, startet die Glencore Plc., Baar (Schweiz), in das neue Jahr. Der Vorstandsvorsitzende Ivan Glasenberg versicherte jedoch am Dienstag bei Vorlage der vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2015, dass sein Unternehmen liquide sei. Das gelte selbst bei noch niedrigeren Rohstoffpreisen. Der Schuldenabbau werde konsequent vorangetrieben, so Glasenberg weiter.

Russland bereitet Verdruss

Im Agrarsektor weist Glencore 2015 einen Umsatz von 23,1 Mrd. US-$ aus. Er ist um rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) hat sich etwa halbiert. Mit 524 Mio. US-$ ist diese Kennzahl um 47 Prozent niedriger als 2014, das allerdings auch – so begründet Glasenberg den Rückgang – ein „sehr starkes Ergebnis“ geliefert hätte. Zu schaffen gemacht hat dem Konzern außerdem die Exportsteuer für Weizen, die Russland Anfang 2015 eingeführt hatte.

Ölmühle in Magdeburg läuft rund

Den meisten Umsatz erzielt Glencore im internationalen Handel mit Agrargütern. Das Unternehmen berichtet 2015 von einem im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Mengenumsatz auf rund 44 Mio. t Getreide sowie 23 Mio. t Ölsaaten und Ölsaatenprodukte. Hinzu kam Umsatz aus der Verarbeitung. Besonders die Ölmühlen von Glencore liefen rund. Seit 2015 gehört die Prokon Pflanzenöl GmbH in Magdeburg zum Konzern, der außerdem in Kanada eine Ölmühle für Raps gekauft hat. Weitere europäische Ölmühlen befinden sich in Tschechien, Polen, Ungarn und der Ukraine. Generell waren die Margen in der Rapsverarbeitung jedoch schwach.

Biodieselherstellung auf Talfahrt

Freude bereitet hat dagegen zum Jahresende die Sojaverarbeitung in Argentinien, nachdem dort die Exportsteuer ermäßigt und die Währung frei gegeben worden ist. Hier erwartet Glencore auch 2016 ein stabiles Geschäft. Schwach läuft hingegen die Biodieselproduktion in Rostock, wo Glencore eine Beteiligung an Biopetrol hält. Die Erzeugung ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf gut 550.000 t Biodiesel gesunken.

Generell niedrigere Rohstoffpreise

Der gesamte Glencore-Konzern hat 2015 einen Umsatz von 170 Mrd. US-$ und damit 23 Prozent weniger als im Vorjahr erzielt. Generell niedrigere Rohstoffpreise haben dem Konzern zu schaffen gemacht, der vor allem im Energiehandel und Bergbau aktiv ist. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) im gesamten Konzern ist um mehr als zwei Drittel auf rund 2,2 Mrd. US-$ gesunken. Noch problematischer ist jedoch die Verschuldung (siehe Kasten). Deswegen war im November auch spekuliert worden, dass Glencore sein Agrargeschäft abstoßen könnte. (db)
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