Mit mehr als 30 Kaufinteressenten hat Rosneft-Chef Igor Sechin verhandelt, Glencore steht nun kurz vor dem Zuschlag. Der Schweizer Rohstoffhändler macht dafür nach eigenen Angaben zwar nur 300 Mio. Euro Eigenkapital locker, weil der Rest aus Katar komme oder über Darlehen fremdfinanziert werde. An dem Konsortium, das die Anteile kauft, halten Glencore und die Qatar Investment Authority aber jeweils die Hälfte, teilte Glencore mit.

Verkäufe senkten Schuldenlast

Damit ändert Glencore seine Strategie, sich von Unternehmensteilen zu trennen. Weil der Konzern hoch verschuldet war, hatte Firmenchef Ivan Glasenberg jüngst zum Beispiel große Teile des Agrargeschäfts verkauft, um Geld in die klammen Kassen zu spülen. Kürzlich gab Glencore dann bekannt, mit dem Abbau der Schulden schnell voranzukommen und stellte den Aktionären wieder eine Dividende für das nun kommende Jahr in Aussicht.

Wieder in der Offensive

Als Glasenberg Glencore 2011 an die Börse gebracht und ein Jahr später für 29 Mrd. US-$ die Übernahme von Xstrata eingefädelt hatte, wurde er von den Anlegern gefeiert. Dann machten ihm die überbordenden Schulden zu schaffen, zumal die Rohstoffpreise einbrachen. Es musste gespart werden. Nun geht Glasenberg erstmals wieder in die Offensive. Der Deal mit Rosneft umfasst eine Abnahmevereinbarung über fünf Jahre und ermöglicht eine Zusammenarbeit in den Bereichen Infrastruktur und Logistik. Der Rohstoffhändler will mit dem russischen Ölkonzern auch eine strategische Partnerschaft bilden. Laut Sechin planen beide Firmen ein Gemeinschaftsunternehmen zur Ölproduktion. (sp)
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