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Die Bierbranche befindet sich global in einem gewaltigen Umbruch. Dabei geht es um die Marktführerschaft. Auf seinem Expansionskurs kennt Interbrew mit Sitz im belgischen Löwen keine Grenzen. Nun möchte Interbrew im Zuge einer Megafusion die brasilianische Großbrauerei Ambev, Sao Paulo, übernehmen. Der Zusammenschluss zu Interbrew-Ambev soll über einen Aktientausch abgewickelt werden. Der bisherige Vorstandschef von Interbrew, John Brock, soll auch das gemeinsame Unternehmen führen. Der Wert der Transaktion wird von den Unternehmen mit 9,2 Mrd. EUR beziffert. Interbrew und Ambev, bisher die Nummer 3 und Nummer 5 auf dem Weltmarkt, kommen zusammen auf einen Bierausstoß von gut 190 Mio. hl. Damit entsteht der größte Braukonzern der Welt. Bislang hatte der amerikanische Biersieder Anheuser Busch den Spitzenplatz besetzt. In Deutschland ist Interbrew mit Traditionsmarken wie Beck´s, Diebels und Gilde/Hasseröder auf dem Markt vertreten. Interbrew geht durch die Fusion bis 2007 von Einsparungen in Höhe von 280 Mio. EUR aus, da Kosten beim Rohstoffeinkauf, im Vertrieb und der Verwaltung reduziert würden.

Hans Albert Ruckdeschel, Vorsitzender des Bayerischen Mälzerbundes, sieht den Veränderungen am Biermarkt rund um den Globus mit gemischten Gefühlen entgegen. "Derartige Fusionen dienen unter anderem dem Ziel, Kostenvorteile beim Rohstoffeinkauf zu erreichen", erklärte er gegenüber der Agrarzeitung Ernährungsdienst. Da Malz der wichtigste Artikel sei, werde sich dies für die Mälzer nachteilig auswirken. Ein Wechsel bei den Brauern bedeute in aller Regel auch ein Wechsel bei den Lieferanten, meinte er weiter. Mit Blick auf die Brauwirtschaft sagte Ruckdeschel: "Jeder muss wissen, dass man auf Dauer nicht zu Spotmarktbedingungen seinen Bedarf an Malz decken kann". Michael Weiß, der Präsident des Bayerischen Brauerbundes, zeigte sich erstaunt über die jüngste Megafusion. "Ich hätte nicht erwartet, dass Interbrew nach den vielen Investitionen jetzt diesen großen Schritt macht". Er sieht in dieser Brauereifusion aber durchaus auch Vorteile für die mittelständischen Unternehmen. Für traditionsbewusste Verbraucher sei die Vielfalt der Brauer relevant. Die aber sei zumindest in Bayern noch auf Jahrzehnte hinaus gesichert. (HH)

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