Globaler Milchmarkt ist sensibel

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Während gegenwärtig die Position der Molkereiwirtschaft in anderen Ländern gestärkt wird, schwächt der teilweise aggressive Diskurs zwischen den verschiedenen Erzeugerorganisationen und den Molkereien hierzulande den Milchstandort Deutschland. „Wo ein möglichst hoher Milchpreis zum wichtigsten Kriterium wird, versäumen die Beteiligten, ihre Strukturen anzupassen und Marktanteile zu erobern“, sagte Florian Engler von der Rabobank in Frankfurt a.M. in einem Gespräch mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst.

Bereits heute, so Engler, fehle den deutschen Molkereien eine zukunftsorientierte finanzielle Ausstattung. Den heimischen Milcherzeugern empfiehlt der Experte in diesen Zeiten der Hochpreise, ihre Kräfte zu bündeln und sich an den Märkten zu positionieren. Die Verhältnisse am internationalen Milchmarkt bezeichnet Engler als sensibel. Zwar seien die Bestände an Butter und Magermilchpulver abgebaut. Zudem habe es in jüngster Zeit in einigen Regionen spürbare Produktionsausfälle gegeben. Doch sei dies kein Garant für weitere Stabilität. Hohe Preise würden in Ländern, die erst seit relativ kurzer Zeit größere Milchmengen nachfragen, zu einem Konsumrückgang führen. Außerdem, so prognostizierte Engler, werde die Industrie versuchen, Molkereiprodukte zu substituieren. Sollten die Erzeugerpreise weltweit nachhaltig bei etwa 40 Cent/kg bleiben, dann werde auch an Grenzstandorten Milch erzeugt. Somit könnten die Erlöse trotz steigender Weltbevölkerung wieder unter Druck geraten. (HH)

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