Stefanie Pionke über Trefferquoten von Prognosen

Im Sturzflug haben die Kurse für Getreide und Ölsaaten an den Terminmärkten das alte Jahr 2012 beendet. Mit einer Achterbahnfahrt sind sie in das neue Jahr 2013 gestartet: Nach zunächst deutlichen Kursgewinnen für Weizen und Raps an der Matif in Paris am 2. Januar, dem ersten Handelstag im neuen Jahr, und einer zumindest freundlichen Tendenz für Weizen, Mais und Soja an der Chicago Board of Trade drehten die Kurse bis zum Handelsschluss an beiden Börsen in die roten Zahlen. Von der anfänglichen Euphorie an den globalen Finanzmärkten zum Jahreswechsel, die den vorläufigen Sprung der USA über die Haushaltsklippe feierten, profitierten die Agrarrohstoffe besonders kurzfristig.

Dabei stehen die Chancen auf steigende Kurse objektiv betrachtet nicht schlecht: Die Zentralbanken in den USA und Europa verleihen Geld zu Niedrigstzinsen. Investoren, darunter auch die viel gescholtenen Spekulanten der Agrarfonds, verfügen über hohe Geldsummen, die angelegt werden wollen und müssen.

Fundamental gesehen befinden sich die weltweiten Mais- und Sojabestände, folgt man den Prognosen des US-Agrarministeriums, auf historisch niedrigen Niveaus. Angespannt bleibt auch die Versorgungslage am Weizenmarkt - manch europäischer Händler warnt vor einem Ausverkauf vor Ende des laufenden Wirtschaftsjahres, sollte das Exporttempo anhalten. So weit, so bullisch. Dem gegenüber stehen Erwartungen an Rekordsojaernten in Brasilien und Argentinien sowie Annahmen, dass die hohen Preise US-Farmer dazu verleiten werden, mehr Mais zur Ernte 2013 anzubauen. So weit, so bärisch?

Könnte man meinen, würden nicht all diese Faktoren Erinnerungen an die Prognosen zum Jahresbeginn 2012 wecken. Ungefähr zur gleichen Zeit vor einem Jahr sahen Teilnehmer an den globalen Agrarmärkten der größten Maisfläche in den USA seit Jahrzehnten entgegen. Auch hatte Trockenheit Anfang 2012 noch nicht die Erwartungen an Rekordsojaernten in Südamerika zerschlagen.

Vorerst fehlen frische Nachrichten an den Agrarmärkten, die Fantasien für eine neue Kursrally wecken können. Ein im Verhältnis zum US-Dollar starker Euro machte US-amerikanischen Weizen am Weltmarkt zuletzt wettbewerbsfähiger als europäische Ware. In den Analyseabteilungen mancher Bankhäuser sieht man den Euro allerdings im Jahresverlauf eher schwächeln, den US-Dollar hingegen steigen. Warum? Nun, Anleger erinnerten sich wieder daran, dass die Euro-Schuldenkrise noch nicht gelöst ist - mit allen möglichen Folgen für die konjunkturelle Entwicklung. In den USA hingegen schlägt sich die Wirtschaft besser - bis zur nächsten Haushaltsklippe.

Bei Preisprognosen für Agrarrohstoffe waren bereits in den vergangenen Jahren diejenigen Analysten am treffsichersten, die nicht mehr und nicht weniger als eine „anhaltende Volatilität" voraussagten. Schlussendlich wird Mutter Natur über die weitere Kursentwicklung entscheiden. Wem das zu vage ist und wer die Achterbahnfahrten der Börsenkurse schwindelfrei überstehen möchte, dem hilft nur ein gutes Risikomanagement.
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