Glyphosat erregt die Gemüter

Glyphosat ist wieder unter Verdacht. Die Datenlage zu Rückständen in Getreide ist äußerst dünn. Die Mühlen sind aber alarmiert.

Das Münchner Umweltinstitut berichtet von Analysen aus Nordrhein-Westfalen, die 2011 zum Teil unzulässig hohe Rückstände von Glyphosat in Brot- und Futtergetreide gezeigt haben sollen.

Im zuständigen Verbraucherministerium in Düsseldorf war auf Anfrage von agrarzeitung.de zu diesen Überschreitungen zunächst nichts Näheres zu erfahren. Auch der „Pestizidreport" auf der Internetseite des Ministeriums mit detaillierten Analysen zu Getreide weist für die zurückliegenden Jahre keinerlei Grenzwertüberschreitungen von Pflanzenschutzmitteln aus.

Die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Christel Happach-Kasan berichtet allerdings von Lebensmitteluntersuchungen in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Niedersachsen, die 2011 auf Glyphosat-Rückstände durchgeführt worden sind. Dort seien erhöhte Wirkstoffkonzentrationen in Linsen gefunden worden.

Happach-Kasan weiß außerdem von Untersuchungen in Baden-Württemberg, wo erhöhte Glyphosatwerte gleichermaßen in Linsen aus konventioneller Landwirtschaft wie aus Ökoerzeugung nachgewiesen worden seien. Die FDP-Politikerin bezeichnet es als „unlauter", einen Zusammenhang zum Verzehr von Getreideprodukten herzustellen.

Die Mühlen sind jedenfalls alarmiert. Der Verband Deutscher Mühlen (VDM) zeigt sich zwar überzeugt, dass Höchstwerte in Brotgetreide oder Mehl nicht überschritten werden. Dennoch appelliert er an die Mitgliedsunternehmen, den Untersuchungen auf Glyphosat künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen, damit eine breitere Datenbasis erstellt werden kann.

Der herbizide Wirkstoff Glyphosat ist zahlreichen Umweltorganisationen ein Dorn im Auge. Hauptsächlich richtet sich die Kritik gegen den Einsatz als „Totalherbizid" in Verbindung mit gentechnisch veränderten Sorten. Aktuell wendet sich das Münchner Umweltinstitut aber auch gegen den Einsatz von Glyphosaten zur Abreifebeschleunigung. (db)
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