Graincorp erteilt ADM eine Abfuhr

Stark unterbewertet fühlt sich das australische Handelshaus durch die Offerte des US-Agrarkonzerns. Eine Bieterschlacht scheint möglich.

Nach ausführlicher Prüfung des Angebots ist die Unternehmensspitze von Graincorp zu folgendem Ergebnis gekommen: Das Angebot von Archer Daniels Midland Co. (ADM) bewerte den Erfassungshändler nicht angemessen. Der große Wettbewerber aus Decatur im US-Bundesstaat Illinois sei entsprechend informiert worden, teilte Graincorp heute mit. Heißt im Klartext: Graincorp lehnt das Angebot der US-Amerikaner von Mitte Oktober über 11,75 australische Dollar je Aktie ab.

ADM reagiert schmallippig: Zum Zeitpunkt der Offerte habe man Graincorp besser bewertet als der Kapitalmarkt. Man sei daher weiterhin "davon überzeugt", den Australiern ein attraktives Angebot unterbreitet zu haben, heißt es in einer Konzernmitteilung.

Als ADM sein Übernahmeangebot unterbreitet hatte, war Graincorp tatsächlich um rund 30 Prozent schwächer bewertet als die gebotenen  11,75 AUS-$ je Anteilsschein. Doch nach Bekanntgabe der Übernahmepläne stieg der Titel zwischenzeitlich auf einen Wert von über 12,30 AUS-$. Zuletzt bewegte sich die Aktie um einen Kurs von 12,20 AUS-$. Marktteilnehmer gehen offenbar davon aus, dass weitere Agrarkonzerne einen Bieterwettbewerb um Graincorp einsteigen werden. Entweder ADM selbst oder ein anderer Konzern würde eine höhere Offerte vorlegen, lautet die Hoffnung.

Graincorp verweist in der Begründung seiner Ablehnung auf seine strategisch günstigen Standorte in Nahost, Nordafrika und Asien. Zudem sei das integrierte Geschäftsmodell aus Erfassung, Hafenlogistik, Verarbeitung und Handel von Getreide und Ölsaaten attraktiv.

Mitte Oktober hatte ADM seinen Anteil an den Australiern aufgestockt von 4,9 auf 14,9 Prozent mit Ziel einer Komplettübernahme. Graincorp sei ein gut geführtes Unternehmen, das unter ADM-Flagge eine bessere Position am globalen Markt erreichen könnte, hatte  ADM-Chefin Patricia Woertz argumentiert. (pio)
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