Milchmarkt

Großbetriebe für mehr Freiheit

Die typischen genossenschaftlichen Lieferbeziehungen im deutschen Milchsektor erfahren unter den Landwirten grundsätzlich eine breite Akzeptanz. In einigen Bereichen sehen die Milchbauern jedoch Anpassungsbedarf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage, die Prof. Sebastian Hess von der Christian-Albrechts-Universität Kiel in Berlin vorstellte. Kleinere, mittlere und Wachstumsbetriebe würden in der derzeit vorherrschenden Gestaltung der genossenschaftlichen Liefermodelle durchaus Vorteile erkennen. Größere Betriebe hingegen würden in vielen Fällen eine alternative Gestaltung der Lieferbeziehungen bevorzugen, so Hess.

Genossenschaften diskutieren mit Mitgliedern

Vertreter vom Deutschen Raiffeisenverband und des Genossenschaftsverbandes verwiesen darauf, dass sich die Molkereigenossenschaften den Herausforderungen des volatilen Milchmarktes stellen und dabei auch die Ausgestaltung der Lieferbeziehungen und Möglichkeiten der Preisabsicherung mit ihren Mitgliedern diskutieren. Dabei gelte es, unterschiedliche Erwartungen der Mitglieder in den demokratischen Entscheidungsprozessen zum Ausgleich zu bringen.

Preissignale müssen schneller beim Landwirt ankommen

Eine bessere Abstimmung zwischen Landwirten und Molkereien zu Mengen, Preisen und Laufzeit dieser Übereinkünfte, forderte der DBV-Milchbauernpräsident Karsten Schmal. Landwirte sollten praktikable Möglichkeiten zur Preisabsicherung erhalten. Molkereien benötigten auf der anderen Seite eine verlässlichere Basis über die künftigen Anlieferungsmengen, betonte Schmal. Darüber hinaus sollten Preissignale des Weltmarktes früher beim Landwirt ankommen. Staatliche oder allgemeinverbindliche Vorgaben würden nicht zu befriedigenden Ergebnissen führen, ist sich Schmal sicher. Es müsse „im ureigenen Interesse des deutschen Milchsektors sein, selber marktgerechte Vereinbarungen zwischen Landwirten und Molkereien zu treffen, die dem heterogenen Meinungsbild unter den Landwirten aber auch den Molkereien gerecht werden“. (SB)
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