Report Milchstandort Deutschland

Große Betriebe wollen Verträge

Auszahlungspreis ist nicht der einzige Grund für einen Molkereiwechsel.
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Auszahlungspreis ist nicht der einzige Grund für einen Molkereiwechsel.

Die Lieferbeziehung zur genossenschaftlichen Molkerei bewerten Milchbauern höchst unterschiedlich. Insbesondere kleinere und mittlere Betriebe bevorzugen das vorherrschende Modell einer unbegrenzten Andienungs- und Abnahmeverpflichtung, so das Ergebnis einer im März veröffentlichten deutschlandweiten Umfrage unter Milcherzeugern (siehe Kasten).

Die Akzeptanz schwankt regional. Im Süden Deutschlands waren nur 13 Prozent bereit, einer Auflockerung der Abnahmegarantie zugunsten einer freieren Andienung zuzustimmen. Im Nordwesten bevorzugen hingegen 27 und im Osten sogar 33 Prozent der Befragten mehr Flexibilität. Dort finden sich vor allem auch die größeren landwirtschaftlichen Betriebe. Sie sind eher an alternativen Vertragsgestaltungen interessiert oder lehnen das typische genossenschaftliche Liefermodell grundsätzlich ab.

1 Prozent befragt
Knapp 800 Bauern in Nordwest-, Ost- und Süddeutschland haben an der Umfrage der Kieler Professoren Sebastian Hess und Julian Petersen sowie Dr. Gerhard Dorfner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft teilgenommen. Das repräsentiert rund 1,1 Prozent der Milchviehhalter und 3,7 Prozent der Milchmenge.

Die Studie zeigt auch, dass bei dem Wunsch nach einer Absicherung am Warenterminmarkt ein relativ großer Teil der Befragten mit „Weiß nicht“ geantwortet hatte. Dies könnte ein Zeichen sein, dass Landwirte die Funktion von Warenterminmärkten noch nicht genügend kennen, so die Autoren. Sichtbar wurde auch, dass nicht allein der Auszahlungspreis Grund für einen Molkereiwechsel ist. Vielmehr spielen verloren gegangenes Vertrauen in die Führung und eine unbefriedigende Kommunikation eine große Rolle.

Ein besseres Management ließe sich über Verträge mit fester Mengenbindung erreichen, heißt es in der Studie. Doch dazu werde es wohl nicht kommen. Da Milchaufkommen und Stimmenanteile in Genossenschaften ungleich verteilt sind, dürfte an der Kombination von Andienungspflicht und Abnahmegarantie festgehalten werden, so die Prognose. Allerdings dürften wohl die internen Konflikte zunehmen, da genossenschaftliche Molkereien einerseits Mehrheitsbeschlüssen der Mitglieder unterworfen und andererseits ihre größten Milchlieferanten mit diesen Beschlüssen eher unzufrieden sein werden. Allgemeine staatliche Lösungen lehnen die Autoren ab. (kbo)
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