az-Länderserie Russland

Große Chancen und viel Nachholbedarf


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Noch immer gibt es eine Fülle an Subsistenzwirtschaften. Die Modernisierung der Landwirtschaft und den damit einhergehende Strukturwandel zu begleiten, ist eine der langfristigen Mammutaufgaben der russischen Regierung. Doch die schwächelnde Wirtschaft des Landes durch den Verfall des Rubels sowie des Ölpreises und das zurzeit geltende Embargo lenken die Aufmerksamkeit auf andere Problemfelder als die Agrarwirtschaft.

Russland ist ein weites Land. Fast die Hälfte der Landesfläche entfällt auf Wald. Für den Ackerbau stehen gerade einmal 16,7 Mio. ha zur Verfügung. Zu den Hauptkulturen zählen Getreide, Zuckerrüben und Sonnenblumen. Russland spielt global vor allem als Exporteur von Weizen, Gerste und Sonnenblumenöl eine Rolle. Diese Kulturen werden vor allem in Großbetrieben angebaut, die rund 80 Prozent der Getreideproduktion bestreiten. Die Mengen können aufgrund des kontinentalen Klimas von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich ausfallen. Darüber hinaus haben die Erzeuger infolge des Klimawandels auch zunehmend mit Wetterextremen zu kämpfen. Entsprechend schwanken auch die Erntemengen, die für den Export zur Verfügung stehen, was sich auf die globalen Warenströme auswirken kann.

Landnutzung
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Landnutzung
Die Agrarstruktur des Landes ist sehr heterogen. Großbetriebe – die oft noch in staatlicher Hand sind – mit mehreren Tausend Hektaren gibt es ebenso wie privatbäuerliche Betriebe mit durchschnittlich knapp 300 ha sowie eine Vielzahl an Subsistenzwirtschaften mit 3 ha. Aktuelle Zahlen gibt es nicht. Nach den Erhebungen des russischen Statistikamtes und des IAMO von 2006 wirtschaften in Russland 48200 große Agrarunternehmen, 253100 individuelle Bauernbetriebe und rund 22,8 Mio. Hauswirtschaften. Traditionelle Kleinstbetriebe mit spärlicher Technisierung gehören genauso zum Landschaftsbild wie mit moderner Landtechnik ausgestattete Großbetriebe.

Das agrarische Produktionspotenzial ist laut Experten noch längst nicht ausgeschöpft. Oft mangelt es aber an modernem Know-how und qualifizierten Mitarbeitern. Auch die Infrastruktur für Lagerung und Transport ist schlecht ausgebaut. In den vergangenen Jahren hat die russische Regierung zahlreiche Förderprogramme aufgelegt und beispielsweise den Betriebsmitteleinkauf subventioniert, um die Agrarproduktion zu steigern. Die Fleischerzeugung wurde sukzessive aufgebaut mit dem Ziel, von Importen unabhängiger zu werden. So wurde in den vergangenen zehn Jahren die Geflügelfleischproduktion mehr als verdoppelt; auch die Schweinefleischerzeugung ist signifikant gestiegen. Die Rubel-Krise und das Embargo schlagen jedoch tief ins Kontor. Die heimischen Lebensmittelpreise sind zum Teil deutlich gestiegen und die Auswahl in den Supermärkten ist längst nicht mehr überall reichlich.

Fleischverbrauch pro Kopf
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Fleischverbrauch pro Kopf
Die Rubel-Krise könnte auch die Landwirtschaft treffen, da Importe von Betriebsmitteln deutlich teurer werden. Eine niedrigere Ernte könnte die Folge sein. Auch Auswinterungen könnten zum Thema werden. Russlands Regierung versucht mit Markteingriffen, die heimischen Märkte zu stabilisieren. Die jetzt eingeführten Exportzölle für Getreide lassen die Marktteilnehmer aber bislang kalt. Es gibt genug Alternativen auf dem Weltmarkt. (AW)
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