Report Agrarmärkte 2015/16

Großes Weizenangebot sucht Absatzwege


Rege Verladungen: Weizen aus Deutschland werden auch im kommenden Wirtschaftsjahr gute Exportchancen vorhergesagt.
-- , Foto: bayernhafen Gruppe
Rege Verladungen: Weizen aus Deutschland werden auch im kommenden Wirtschaftsjahr gute Exportchancen vorhergesagt.

Preissteigernde Impulse für das kommende Wirtschaftsjahr 2015/16 können aus heutiger Sicht allenfalls El Niño oder andere Wetterunbilden setzen. „Die Aussichten für die Weizenproduktion auf der Nordhalbkugel sind gut. Sollten die Ernten so ausfallen wie erwartet, haben die Preise noch Luft nach unten“, sagt Andrée Defois, Vorstand des französischen Analystenhauses Tallage, im Gespräch mit der agrarzeitung (az). Auch Steffen Holsten, Bereichsleiter Agrarerzeugnisse bei der Agravis Raiffeisen AG, sieht noch Abwärtspotenzial: „Bei einem halbwegs normalen Verlauf hat der Markt eine sehr auskömmliche Angebotssituation zu meistern.“ Holsten hält es daher für möglich, dass der Weizen-Future an der Euronext (Matif) in Paris zum Termin Dezember die Marke von 170€/t testet.

Vor allem die weltweit wichtigsten Weizenexporteure wie die Europäische Union, die USA und auch Russland werden 2015/16 hohe Bilanzen vorweisen können, betont Defois. Die EU-Kommission schätzt die Endbestände an Weizen in der Staatengemeinschaft im kommenden Wirtschaftsjahr auf rund 16 Mio.t – das ist trotz kleinerer Ernten und geringerer Exporte als 2014/15 ein Bestandsaufbau um gut 3 Mio.t. Denn durch die hohen Ernten 2014 sind die Läger gut gefüllt.

Größere Fläche in Frankreich

Die hiesige Winterweizenproduktion 2015/16 hat der Deutsche Raiffeisenverband auf 26,7 Mio.t prognostiziert, ein Rückgang um 1 Mio.t auf Jahressicht. Für Frankreich rechnet Tallage mit einer höheren Weizenernte von 38 (Vorjahr: 37,5) Mio.t, da sowohl die Hektarerträge als auch die Anbauflächen steigen sollen. Defois geht von einem Rückgang der EU-Weizenexporte in der kommenden Saison aus. Statt 32,2 Mio.t wie im laufenden Wirtschaftsjahr sollen nur noch 28,6 Mio.t Weizen aus der EU ausgeführt werden.

Polen verliert Marktanteile

„Frankreich und das Vereinigte Königreich werden nicht mehr so viel Futterweizen exportieren. 2014 gab es ein sehr hohes Angebot zu niedrigen Preisen, das für den Export in Richtung Asien wettbewerbsfähig war. Diese Situation wird sich 2015/16 nicht wiederholen“, erwartet die Tallage-Präsidentin. Darüber hinaus wachse die Konkurrenz aus Russland: Russischer Weizen habe in den vergangenen Jahren eine Qualitätssteigerung erfahren und weise inzwischen durchaus auch 12,5 Prozent Protein auf, erläutert Defois: „Solche Qualitäten sind für die Märkte im Nahen Osten wie etwa den Irak interessant. Dort könnten einige EU-Staaten Marktanteile an Russland verlieren.“ Diese Konkurrenz könnten etwa Polen, Bulgarien oder Rumänien nach Einschätzung von Tallage 2015/16 zu spüren bekommen: So sollen polnische Exporteure 2015/16 nur 1,7 (Vorjahr: 3) Mio.t Weizen verladen.

Dass hiesiger Weizen viele Marktanteile an Russland verliert, sieht Steffen Holsten nicht: „Deutscher Weizen wird in jedem Segment von 11,5 Prozent bis 13,5 Prozent Protein von vielen Käufern der Welt geschätzt“, so Holsten. Allein über den Faktor Preiswürdigkeit, bei dem russischer Weizen sicherlich Vorteile genießt, könne dieser Markt nicht bedient werden, ist er überzeugt. Auch die Analysten von Tallage schätzen die deutschen Weizenausfuhren 2015/16 hoch ein: Mit 6,9 Mio.t fällt ihre Prognose recht optimistisch aus.

Algerien braucht Ware

Agravis-Manager Holsten schätzt konservativer: Er hält Ausfuhren von gut 5 Mio.t für möglich. Holsten verweist auf Konkurrenz aus Frankreich: Dort werde nach dem qualitativ schwachen Vorjahr wieder eine gute Ernte erwartet. Daher dürften französische Exporteure wieder einen „spürbaren Anteil“ des globalen Marktes für Weizen mit 11,5 Prozent Protein zurückgewinnen. Tallage prognostiziert die Ausfuhren aus Frankreich auf 11,3 (11,5) Mio.t. Zwar werden die Franzosen aller Voraussicht nach die Konkurrenz aus Russland im Geschäft mit Ägypten spüren – dafür sehen die Analysten größere Absatzmöglichkeiten in Algerien. (pio)
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