Grüne Woche: Agrarexporteure beklagen Handelsbarrieren


In der Landtechnikbranche sorgt Russland für Ernüchterung. Exporteure von Zuchtrindern beklagen Hürden in Folge des Schmallenberg-Virus.

Insgesamt hat die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft in den ersten zehn Monaten 2012 Exporte im Wert von 58,6 Mrd. € verbucht und übertrifft damit das vergleichbare Vorjahresergebnis um knapp 5 Prozent. Mit 76 Prozent halten Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt daran den Hauptanteil.

Allerdings ist der Handel innerhalb der Europäischen Union nur um 1,3 Prozent gewachsen, der Drittlandsabsatz hingegen um „dynamische“ 12,6 Prozent, wie Franz Georg von Busse, Sprecher der Exportförderorganisation Gefa, am Mittwochabend auf einem Pressegespräch anlässlich der Grünen Woche in Berlin betonte. Für 2013 weckt vor allem das Chinageschäft, das im Berichtszeitraum wertmäßig um knapp 85 Prozent zugelegt habe, Wachstumsfantasien.

Unter den Ausfuhren der Agrarwirtschaft entwickelten sich die Segmente Fleisch und Fleischwaren, Landtechnik und Molkereiprodukte 2012 am stärksten. Doch nicht überall läuft der Export rund. Die Ausfuhren von Zuchtrindern etwa, ein vergleichsweise kleiner Exportmarkt, gingen von Januar bis Oktober um rund 40 Prozent zurück. Ursache hierfür sind laut Gefa „massive Importbeschränkungen“ von Drittländern in Folge des in Europa aufgetretenen Schmallenberg-Virus.

Die Landtechnikbranche freut sich zwar 2012 über Russland-Exporte auf einem neuen Rekordniveau von voraussichtlich 700 Mio. €. Aktuell beunruhigt allerdings ein Strafzoll von 27,5 Prozent auf Mähdrescher-Importe die Branche, wie Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer VDMA Landtechnik, ausführte. Nun bleibt es abzuwarten, wie lange der Schutzzoll Bestand haben wird.

Scherer ist sich sicher, dass „dieser Zoll nicht WTO-konform ist“, wie er im Gespräch mit agrarzeitung.de sagte. Er räumte zudem ein, die Branche habe sich möglicherweise zu viel von dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation im vergangenen Jahr versprochen: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Zölle nach dem WTO-Beitritt steigen.“ (pio)
stats