Grüne Woche: Schlagabtausch zwischen Lutz und UN-Funktionär


Bei einer Podiumsdiskussion über Ernährungssicherung auf dem Erlebnisbauernhof fordert der Baywa-Chef entschiedeneres Handeln. Die Gesprächsteilnehmer entlasteten Spekulanten.

Das Standortgespräch auf dem diesjährigen Erlebnisbauernhof der Grünen Woche in Berlin drehte sich um die Frage "Werden wir morgen alle noch satt?". Erwartungsgemäß bejahten die Vertreter der Agrarwirtschaft auf dem Podium - der Vorstandsvorsitzende der Baywa AG Klaus Josef Lutz sowie Dirk Bensmann, Vorstandsmitglied der Agravis Raiffeisen AG - dies. Sie verwiesen dazu auf notwendige Ertragssteigerungen.

Ähnlich urteilt Prof. Michael Schmitz, Direktor des Instituts für Agribusiness an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Potenzial zur Ertragssteigerung sieht er vor allem in den Entwicklungsländern. Dr. Thomas Stelzer, Beigeordneter Generalsekretär für Politikkoordination und Mitglied der High Level Task Force für globale Ernährungssicherheit bei den Vereinten Nationen in New York, rief in dem Zusammenhang dazu auf, dass Investitionen in den Agrarsektor in Entwicklungsländern einen Schwerpunkt auf Kleinstbauern legen sollten, die weltweit die Mehrheit der Erzeuger stellten.

Baywa-Chef Lutz ließ durchblicken, dass er die Herangehensweise politischer Institutionen wie der UN in Fragen der Ernährungssicherung für wenig zielführend hält: Statt in High Level Groups einen "Schmusekurs" zu fahren, zusammenzusitzen und zu diskutieren, sollten lieber konkrete Handlungspläne entworfen werden, forderte er. Diese sollten auch die Ausbildung und den Know-How-Transfer in der Landwirtschaft weltweit zum Gegenstand haben.

Die UN habe es sich nicht zum Ziel gesetzt, die Menschheit in den Himmel zu bringen, sondern sie vor der Hölle zu bewahren, konterte Stelzer im Verlauf der Diskussion. Die High Level Group in New York sei das höchste politische Gremium der UN in Fragen der Ernährungssicherung; konkrete Handlungen würden bereits durch die Kollegen bei den Landwirtschaftsorganisationen der Vereinten Nationen in Rom erfolgen.

Alle Diskutanten entlasteten institutionelle Investoren oder auch Spekulanten an den internationalen Warenterminbörsen von dem Verdacht, Preisschwankungen bei Agrarrohstoffen zu bedingen. Spekulanten brächten die zu einer funktionierenden Preisabsicherung notwendige Liquidität, argumentierte der Wissenschaftler Schmitz. Bevor diese Anleger sich an den Warenterminbörsen engagiert hätten, seien die Preise viel volatiler gewesen. "Diese Kausalität wird von manchen Politikern leider umgedreht", so Schmitz.

Stelzer verwies in dem Zusammenhang darauf, dass Volatilitäten in den Produktionsbedingungen, zum Beispiel durch Wettereinflüsse, auch zu Volatilitäten bei den Preisen führten. "Spekulanten haben nur einen kleinen Anteil an der Preisentwicklung", so Stelzer. (pio)
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