Report Milchstandort Deutschland

Grünland ist immer eine Investition wert


Mit modernen Gräsersorten wächst die Ernte.
-- , Foto: Axel Dulz / pixelio.de
Mit modernen Gräsersorten wächst die Ernte.

Die Zeiten für Milchviehbetriebe sind hart, eine Erholung des Milchpreises ist derzeit nicht absehbar. Gerade in dieser Situation müssen die Landwirte auf die Wirtschaftlichkeit achten. Die Fütterung in der Milchproduktion nimmt traditionell den größten Anteil ein, nämlich mehr als 50 Prozent der Kosten. Dabei macht allein die Grundfutterproduktion mit rund 33 Prozent einen großen Anteil an den Gesamtkosten aus. Grundfutter ist ein Kostenblock mit einer sehr großen Hebelwirkung für die gesamte Wirtschaftlichkeit des Betriebes.

Teurer Mais zahlt sich aus

Der Milchviehreport Bayern 2014 zeigt die Wege zu einer besseren Wirtschaftlichkeit in der Milchviehproduktion auf. Im Bezugsjahr 2014 ist der Kraftfuttereinsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,9 dt/Kuh erhöht worden. Entsprechend ist der Anteil der Grundfutterleistung an der Milchproduktion um 291 auf 3109 Liter/Kuh gesunken. Das ist eine typische Reaktion der Milchviehbetriebe in Zeiten guter Milchpreise. Mit der Wende des Milchpreisniveaus wird es aber umso wichtiger, die Grundfutterleistung zu erhöhen. Denn Grundfutter ist nach wie vor das günstigste Futter für die Kühe. Um die Grundfutterleistung bei begrenzter Futteraufnahme zu erhöhen, benötigt man eine bessere Futterqualität. Dafür investieren die erfolgreichen 25 Prozent der Milchviehbetriebe mehr in die Grundfutterproduktion als die 25 Prozent ihrer weniger erfolgreichen Berufskollegen: Der Unterschied für Mais liegt bei 113 €/ha, für Grassilage sogar bei 193 €/ha. Deutlich wird der Unterschied in der Grundfutterleistung der Betriebe: So ermelken die erfolgreichen Betriebe rund 1201 Liter mehr Milch aus dem Grundfutter gegenüber den weniger erfolgreichen. In anderen Bundesländern sind die Zahlen ähnlich.

Ertragspotenzial ausschöpfen

Die enormen Unterschiede in den Grobfutterleistungen der Betriebe sind nicht nur auf naturgegebene Standortfaktoren zurückzuführen. Es ist eine Frage der Qualität des Grünlandmanagements. Viele Betriebsleiter setzen ihre Schwerpunkte oftmals im Bereich des Herdenmanagements. Dem Grünland wird dann, besonders wenn relativ hohe Mais- oder sonstige Ackerfutterflächenanteile zur Verfügung stehen, nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Gerade hier werden die Ertrags- und Qualitätspotenziale des Grünlands nicht genutzt.

Erfolgreiche Betriebe haben eine deutlich bessere Verwertung der zur Verfügung stehenden Futterfläche. Obwohl die erfolgreichen Landwirte 0,11 ha weniger Futterfläche/Kuh zur Verfügung haben, erreichen sie aufgrund einer besseren Futterernte in Ertrag und Qualität eine um fast 4000 kg höhere Milchleistung/ha Futterbau. Mit modernen Gräsersorten ist es möglich, höhere Erträge, eine bessere Ausdauer sowie eine gesteigerte Futterqualität zu erzeugen. Diese Genetik ist mittels Nachsaaten in bestehende Grünlandnarben nach fachlicher Beratung einzubringen oder bei sehr stark beschädigten Narben durch eine Neuansaat. Betrachtet man die aktuellen Landessortenversuche der nordwestdeutschen Landwirtschaftskammern, dann erreichen die erfolgreichsten Sorten gegenüber den schlechtesten Sorten innerhalb der jeweiligen Reifegruppen einen Mehrertrag von 13,4 dt/ha und Jahr. Umgerechnet auf den Proteinertrag können so 200 kg/ha mehr an Protein im Wert von 140 €/ha kalkuliert werden. In der Regel ist die Futterfläche begrenzt. Gerade in Betrieben, die auf Grünland setzen, muss das Wachstum durch höhere Erträge und bessere Qualitäten gelingen. Die Milchviehproduktion kann Grünland optimal verwerten, wenn den Kühen bestes Gras angeboten wird. Und damit sollte die Milchwirtschaft ihre Stellung in den Grünlandregionen festigen. Und zwar dort, wo Gras aufgrund niedriger Temperaturen und höheren Niederschlägen gut wächst und die Nutzungskosten wegen fehlender Alternativen nur gering sind.

Frank Trockels,
Produktmanagement Futterpflanzen, Deutsche Saatveredelung AG
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