Universität Hohenheim

Gülle nur behutsam drehen


Seit 1990 verzeichnete die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft deutschlandweit
397 Unfälle mit Gülleschadgasen, teilte Dr. Monika Krause, Institut für Agrartechnik Universität Hohenheim,  am Mittwoch im Rahmen des Arbeitswissenschaftlichen Kolloquiums an der Universität Hohenheim mit. Als Folge dieser Unfälle seien 27 Menschen ums Leben gekommen. Die Anzahl umgekommener Tiere sei allerdings unbekannt.

Und weil sich ein großer Teil dieser Unfälle auf Schwefelwasserstoff (H2S) zurückführen lasse, führt die Wissenschaftlerin aus, widmete sie sich in ihrer Forschungsarbeit der Freisetzung im Stall. Er entweicht in die Umgebungsluft, wenn Gülle aufgerührt wird. Außerdem hat sie unterschiedliche Drehzahlen beim Aufrühren der Gülle berücksichtigt und beobachtet, ob es einen jahreszeitlichen Einfluss (Winter, Sommer) gibt.

In acht Mastschweineställe mit unterschiedlichen Slalomsystemen wurden Schwefelkonzentrationen gemessen. Die Praxisversuche haben ergeben, dass beim Aufrühren der Gülle im Slalomsystem innerhalb der ersten 30 Minuten in 25 Prozent (Winter) bis 50 Prozent (Sommer) der Messtage H2S-Konzentrationen von kurzzeitig über 500 ppm erreicht wurden. Diese können lebensgefährlich für Mensch und Tier sein. Der höchste erfasste Wert betrug über 3.700 ppm. Eine niedrige Drehzahl des Rührwerks zum Aufrühren führt zu signifikant weniger H2S-Freisetzungen. Je höher die Rührwerksdrehzahl, desto schneller steigt die H2S-Konzentration an.

Weitere Einflussfaktoren konnten bei den Versuchen nicht nachgewiesen werden. Der kritische Wert, Lebensgefahr für Mensch und Tier, lag in ihrer Arbeit bei etwa 550 Umdrehungen pro Minute. In der Regel konnte im Sommer mehr H2S beim Aufrühren festgestellt werden als im Winter, eine Signifikanz konnte nicht berechnet werden. (has)
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