Geflügelpest

H5N8 wütet im Norden

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Es war eine der größten Keulungen seit Ausbruch der Vogelgrippe H5N8 in Deutschland. Alle 106.000 Legehennen in dem von Geflügelpest betroffenen Betrieb in Schwanheide (Mecklenburg-Vorpommern) sind getötet worden.

Erste Anzeichen für den Ausbruch der Vogelgrippe in dem Betrieb im Landkreis Ludwigslust-Parchim hatte es am Wochenende gegeben. Ungewöhnlich viele Hennen waren verendet. Das Friedrich-Loeffler-Institut wies sodann den hochansteckenden Erreger H5N8 nach. Die Tötung ist die bisher umfangreichste Bestandskeulung in Mecklenburg-Vorpommern. Vergangene Woche mussten bereits 40.000 Puten in einem Betrieb bei Tribsees im Kreis Vorpommern-Rügen wegen einer H5N8-Infektion getötet werden.

Freilandbetrieben drohen hohe Verluste
Halter von Freiland-Legehennen können die Eier trotz Stallpflicht 12 Wochen lang als Freiland-Ware vermarkten. Nach Ablauf dieser Frist müssen sie die Ware als „Eier aus Bodenhaltung“ kennzeichnen. Für die im Landkreis Cloppenburg seit dem 1. November geltende Stallpflicht läuft die Frist am 2. Februar ab. Für die Produzenten bedeutet die geänderte Vermarktung einen Verlust von rund 4 Cent je Ei. Bei einem Bestand mit 40.000 Tieren summieren sich die Einbußen auf bis zu 1.600 € pro Tag.

Schwierige Suche nach dem Übertragungsweg

Wie der Erreger in die geschlossene Anlage in Schwanheide an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein gelangen konnte, ist weiter unklar. Im Umfeld des Betriebes waren bisher keine an der Vogelgrippe verendeten Wildvögel entdeckt worden. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschft (AbL) hat die zuständigen Landes- und Bundesministerien aufgefordert, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Die Suche nach dem Infektionsweg dürfe sich nicht nur auf die Übertragung durch Wildvögel beschränken. Sie müsse auch den Beitrag der vielen Transporte zwischen den verschiedenen Stufen der industriell organisierten Geflügelwirtschaft genau unter die Lupe nehmen. „Um zu einer wirksamen Seuchenprävention zu kommen, müssen die Ursachen und Verbreitungswege der Krankheit vorurteilsfrei analysiert werden und dementsprechende Maßnahmen ergriffen werden“, fordert Reiko Wöllert, der stellvertretende Bundesvorsitzender der AbL.

Epidemie größten Umfangs

In Deutschland hat sich H5N8 seit November stark ausgebreitet. "Die Geflügelpest ist seit 1878 in Europa bekannt. Eine Epidemie mit diesem jetzigen Umfang hat es seitdem in Deutschland nicht gegeben", sagte Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Fest stehe jedoch nur: Entwarnung könne man derzeit nicht geben.

Das Gesundheitsministerium in Thüringen hat am Montag eine landesweite Aufstallpflicht erlassen. Nach dem ersten Ausbruch der Geflügelpest in einem Nutzgeflügelbestand im Landkreis Greiz und zunehmenden Nachweisen des Erregers in Wildvögeln außerhalb der Risikogebiete mit Aufstallpflicht seien aufgrund der dynamischen Seuchenentwicklung weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen, hieß es in dem Erlass.

Neue Risikobewertung bei Vogelgrippe

In Baden-Württemberg ist zwar die landesweite Stallpflicht am 31. Januar 2017 abgelaufen. Landwirtschaftsminister Peter Hauk verfügte jedoch, dass sie ab dem 2. Februar risikoorientiert und regional um sechs Wochen bis zum 15. März 2017 verlängert wird. Weiter im Stall bleiben muss das Geflügel in Baden-Württemberg in unmittelbarer Nähe zu großen Gewässern und Seen sowie in einem 500 m Streifen entlang der Donau, des Rheins und des Neckars.

Hauk rief die Geflügelhalter landesweit zur konsequenten Einhaltung strenger Biosicherheitsmaßnahmen auf, "denn aufgrund des nach wie vor massiven Seuchengeschehens in unseren Nachbarländern, in Europa und aktuellen Fällen von Vogelgrippe bei Wildvögeln in Baden-Württemberg können wir keine Entwarnung geben."

Am Mittwoch untersuchte das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), wie ansteckend das Virus von zwei in Bad Saarow (Oder-Spree) an Vogelgrippe verändete Schwänen. Zuvor wurden in den Tierparks Kunsterspring und Cottbus Fälle von H5N8 gemeldet. Außerdem waren drei Geflügelzuchtbetriebe in Neuhardenberg (Märkisch-Oderland), Alt Zauche (Dahme-Spreewald) und Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) mit Vogelgrippe infiziert. Insgesamt wurden 86.000 Tiere getötet. (mrs)
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