Millionen mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier sind nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gelangt und wurden inzwischen aus dem Handel genommen. Auch nach Hessen und Schleswig-Holstein wurden verseuchte Eier geliefert, möglicherweise auch nach Bayern, wie die Behörden mitteilten. Im Bundesland Bremen tauchten belastete Eier auf. Ebenso wurden Eier aus einem deutschen Betrieb in Niedersachsen positiv auf Fipronil getestet, berichtet LZ.net.

Unkomplizierte Rückgabe der Eier möglich

Große deutsche Discounter stoppten den Verkauf von Eiern aus Betrieben unter Fipronil-Verdacht. Zugleich betonten sie, dass Kunden die Ware unkompliziert zurückgeben könnten. Sämtliche Eier von Höfen, auf denen das Milbenbekämpfungsmittel DEGA 16 eingesetzt wurde, seien "unverzüglich aus dem Verkauf genommen" worden, teilte Lidl am Donnerstag mit. "Der Warenbezug von Höfen, auf denen Fipronil festgestellt wurde, ist komplett eingestellt."

Der Lebensmittelhändler Rewe und seine Discounttochter Penny nehmen Eier aus den Niederlanden nach eigenen Angaben vorsorglich aus dem Verkauf. Edeka erklärte gegenüber der Rheinischen Post, der Konzern beziehe seine Eier allesamt aus Deutschland – diese seien "nach jetzigem Kenntnisstand unbelastet".

Auch Aldi Süd bezieht nach eigenen Angaben bereits seit Anfang der Woche keine Eier mehr "aus Betrieben, bei denen der Einsatz von Fipronil bekannt ist oder der Status unklar" sei. "Darüber hinaus haben wir in einzelnen Regionen Freiland-, Bodenhaltungs- und Bio-Eier aus niederländischen Betrieben aus dem Verkauf genommen. Diese wiesen geringe Gehalte an Fipronil auf. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind diese Gehalte so gering, dass keine gesundheitliche Beeinträchtigung gegeben ist."

Aldi Nord hat solche gering belasteten Chargen ebenso aus dem Regal genommen. Darüber hinaus bezieht der Discounter nach eigenen Angaben keine Eier mehr aus den gesperrten niederländischen Betrieben. Es gebe aber derzeit keinen Rückruf, "da nach derzeitigem Stand keine Eier an uns geliefert wurden, von deren Verzehr abgeraten wird", wie eine Sprecherin erläuterte. "Kunden, die bereits Eier bei uns gekauft haben, können diese ebenfalls bedenkenlos verzehren." Sollte sich herausstellen, dass in Eiern Fipronil-Gehalte nachgewiesen werden, bei denen eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden kann, werde man die Eier unverzüglich öffentlich zurückrufen.

Kritik von Seiten der Geflügelzüchter

Derweil kritisierte der Verband der niederländischen Geflügelzüchter den Verkaufsstopp. "Alle niederländischen Eier, die nun in den Handel kommen, sind garantiert frei von Fipronil", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Eric Hubers, im niederländischen Radio. Er nannte die Maßnahmen und Warnungen auch der Behörden im eigenen Land für überzogen. "Das ist Panikmache, denn man weiß, dass es keine Risiken gibt."

Anders sieht es der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Aus seiner Sicht muss vor allem die Information der Kunden verbessert werden: "Neben einer zentralen Risikobewertung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung brauchen wir zukünftig konkrete Verhaltensempfehlungen im Sinne einer Krisenkommunikation - und zwar bundesweit einheitlich", sagte die Lebenmittelexpertin des Verbands, Jutta Jaksche gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Sie forderte für das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen klaren Auftrag der Bundesländer: Die Behörde sollte auf der Website auf der Grundlage einer BfR-Bewertung "klare Handlungsempfehlungen geben und nicht nur die Warnungen der Bundesländer zusammentragen".

Null-Toleranz-Politik

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer verlangte eine Null-Toleranz-Politik. Dieser toxische Stoff habe in Lebensmitteln nichts zu suchen, so der Grünen-Politiker. Die Argumentation, für Kinder gehe bei einem Durchschnittskonsum in Deutschland keine Gesundheitsgefahr aus, verharmlose das Problem. Wenn ein Kind mehr Eier esse als durchschnittlich angenommen, sei die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten.

Meyer betonte zudem, dass auch von verarbeitenden Eiern eine Gefahr ausgehe. Mangels Kennzeichnungspflicht bei verarbeiteten Eiern sei die Herkunft der Eier nicht zu erkennen. Verbraucher könnten so belastete Chargen nicht erkennen. (az)
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