Das „Zentrum des Gäubodens“ ist ein interessanter Standort für die Agrarbranche: Zahlreiche Unternehmen haben sich am Ufer der Donau angesiedelt.
-- , Fotos: Hafen Straubing
Das „Zentrum des Gäubodens“ ist ein interessanter Standort für die Agrarbranche: Zahlreiche Unternehmen haben sich am Ufer der Donau angesiedelt.

Wer mit Andreas Löffert eine Rundfahrt durch das 220 ha große Gewerbegebiet Straubing-Sand macht, der kann einiges lernen. Der Geschäftsführer der Hafen Straubing-Sand GmbH weiß nicht nur über Hafenumschlag und Logistik Bescheid. Er kennt sich auch mit ökologischen Details in der weitläufigen Wirtschaftszone direkt an der Donau glänzend aus.

Campus bundesweit einmalig

Kein Wunder: Löffert ist nicht nur Hafenchef, sondern in Personalunion auch noch Geschäftsführer der Biocampus GmbH, welche die Aufgabe hat, das Cluster „Nachwachende Rohstoffe“ zu managen und Unternehmen in diesem Geschäftsfeld anzusiedeln.

Diese Konstellation dürfte in Deutschland einmalig sein – in Straubing hat sie sich bewährt. Neben 19 Wissenschaftsinstituten und 18 unterstützenden Einrichtungen gehören mittlerweile 63 Unternehmen dem Cluster an. Und einige davon sorgen dafür, dass der Umschlag im Donauhafen Straubing-Sand nahezu von Jahr zu Jahr steigt.

Insgesamt 654000 t schlug Straubing im vergangenen Jahr wasserseitig um – und war damit nach Regensburg und Aschaffenburg der drittgrößte Binnenhafen Bayerns. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr betrug satte 35 Prozent. Im 1. Halbjahr 2015 ging es mit unvermindertem Wachstumsschwung weiter.

Die Besonderheit von Straubing: In dem Hafen werden fast ausschließlich nachwachsende Rohstoffe, Dünger und landwirtschaftliche Erzeugnisse umgeschlagen. Größten Anteil an der Gesamtmenge hatten im Jahr 2014 Raps und Rapsschrot mit 56 Prozent der Gesamtmenge, gefolgt von Dünger (16 Prozent) und Getreide (11 Prozent). Lediglich 6,5 Prozent der Umschlagmenge hat nicht mit der „grünen Branche“ zu tun (siehe Grafik).

Obwohl Straubing als Zentrum der Region Gäuboden gilt – der Kornkammer Bayerns –, ist nicht etwa der Versand von Agrargütern aus der regionalen Ernte das Rückgrat des Hafens. Ein Blick in die Statistik zeigt: Nur 30 Prozent entfallen auf die Auslieferung von Gütern, die übrigen 70 Prozent sind Empfang. „Wir bekommen Ladung aus dem gesamten Donauraum nach Straubing“, sagt Löffert. Landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Rumänien, Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich erreichen mit dem Binnenschiff Straubing, um dort weiterverarbeitet oder gehandelt zu werden.

Rund um das Hafenbecken haben sich ADM mit einer Ölmühle sowie die Unternehmen Baywa, Bayernhof und Raiffeisen Straubing angesiedelt. Die Agravis-Tochter Donaufutter baut ein Futtermittelwerk, die Logistikdienstleister Reinsch und Hafenlogistik Straubing haben sich auf Biomasselogistik spezialisiert. Einige Hundert Meter vom Hafen entfernt produziert das Chemieunternehmen Clariant Lignozellulose und Bioethanol. Die begehrten Flächen an der Kaikante sind längst an den Mann gebracht. Doch mit dem Bau und der gemeinsamen Nutzung von Förderanlagen bekommen auch Unternehmen, die sich in „zweiter Reihe“ niedergelassen haben, einen Anschluss an den Binnenhafen.


Andreas Löffert: „Das Binnenschiff ist das umwelt freundlichste Verkehrsmittel.“
-- , Fotos: Hafen Straubing
Andreas Löffert: „Das Binnenschiff ist das umwelt freundlichste Verkehrsmittel.“

Noch Platz für Interessierte

Nach Worten von Löffert sind noch 49 ha Ansiedlungsflächen frei, 101 ha sind vermarktet. Möglicherweise werden die freien Flächen rasch abnehmen, sobald die rührigen Straubinger Standortentwickler ihr nächstes Vorhaben umgesetzt haben. Südöstlich des Hafens soll ein Terminal für den Kombinierten Verkehr entstehen, in dem Güter von der Bahn auf den Lkw umgeschlagen werden können. Das Planfeststellungsverfahren ist bei der Regierung von Oberbayern beantragt und wird in den kommenden Monaten abgeschlossen.

Der Hafen soll über Shuttle-Verkehre auch schienenseitig an das Terminal angebunden werden. Bereits heute sind der Hafen und das gesamte Gewerbe- und Industriegebiet trimodal angebunden. Das Binnenschiff transportiert 18 Prozent der insgesamt 3,7 Mio. t, die Bahn ist mit knapp 10 Prozent dabei. Der übrige Umschlag entfällt auf den Lkw.


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Donau-Ausbau ohne Staustufen

Ob die Schifffahrt von und nach Straubing noch weitere „Entwicklungssprünge“ machen wird, liegt daran, wie sich der Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.

Nach jahrzehntelangen Streitigkeiten zwischen Wirtschaft, Politik und Naturschutzverbänden hatte sich die bayerische Landesregierung für einen sanften Ausbau ohne zusätzliche Staustufen entschieden. Das schränkt den Einsatz größerer Schiffe ein. Hafenchef Löffert hofft, dass die Zeit der heftigen Auseinandersetzungen zwischen Binnenschifffern und Naturschützern beendet ist. Das Binnenschiff sei das umweltfreundlichste Verkehrsmittel – die Nutzung der Wasserstraßen durch die Schifffahrt sei auch im Sinne des Naturschutzes. (BH)
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