Globalisierung

Handel hat zu viele Flaschenhälse

14 Flaschenhälse für den internationalen Warentransport hat eine Studie der britischen Analysten Chatham House identifiziert. Auch vor Engpässen beim Handel mit Getreide, Ölsaaten und Düngemitteln wird gewarnt. 


-- , Foto: "Chokepoints and Vulnerabilities in Global Food Trade", Chatham House.

Eine ernsthafte Störung bei einem oder mehreren dieser Flaschenhälse könnte zu Versorgungsnöten und damit zu steigenden Preisen und Volatilitäten führen, warnen die Autoren Rob Bailey und Laura Wellesley. Auch wenn sie nicht von einer Krise sprechen, machen sie dennoch auf mögliche Lieferverzögerungen, den Verderb von Lebensmitteln und steigende Transportkosten aufmerksam.

Brasilien und Schwarzes Meer zählen zu kritischer Infrastruktur

Dem "Think-Tank" Chatham House zufolge gibt es acht kritische Wasserstraßen wie der Panama- und der Suez-Kanal, die Straße von Malaka und die Straße von Hormus, die insbesondere für die Agrar- und Ernährungswirtschaft relevant sind. Der Handel sei zunehmend von diesen Wasserwegen abhängig. In den vergangenen zehn Jahren sei der globale Handel mit Getreide und Dünger, der mindestens einen dieser Flaschenhälse passiert, von 43 auf 54 Prozent gestiegen. Für zehn Prozent dieser Güter gebe es mittlerweile nur noch eine einzige nutzbare Route. Je mehr diese Abhängigkeiten steigen, desto mehr würde auch die strategische Bedeutung dieser Regionen steigen. Die Autoren warnen unter anderem vor Naturereignissen wie Strakregen oder Unwetter, die den Handel lahmlegen
 könnten.

Soja- und Weizenexporte anfällig

Besonders verwundbar sei der Handel mit Soja und Weizen. Denn ein Viertel der globalen Soja-Exporte müssten die Straße von Malaka passieren. Ein Fünftel der Weizenausfuhren liefen über die Türkische Straße, meist ausgehend vom Schwarzen Meer. Die schlechten und schlecht angebundenen brasilianischen Transportwege, die brasilianischen Häfen sowie die Häfen am Schwarzen Meer und an der amerikanischen Golfküste werden als weitere kritische Infrastruktur identifiziert. In Brasilien schlagen demnach nur vier Häfen an der Ostküste fast ein Viertel der global gehandelten Sojabohnen um.


Die Autoren kritiseren Politiker und Verwaltung weltweit, die die Augen vor diesem wachsenden Problem verschließen würden. Diese Flaschenhälse würden in den Konzepten für Lebensmittelsicherheit vollständig übersehen werden. Als ein positives Beispiel wird China gelobt, das zunehmend in die brasilianische Infrastruktur investiert, um Transporte sicherzustellen. (kbo)

stats