Schleusen wieder dicht

Harte Probe für Lieferlogistik


Die Abfertigung an den Schleusen, hier zu sehen nahe Osnabrück, gerät ins Stocken.
-- , Bild: Achim Lückemeyer / pixelio.de
Die Abfertigung an den Schleusen, hier zu sehen nahe Osnabrück, gerät ins Stocken.

Die einwöchige Streikpause hat in den Auseinandersetzungen zwischen den WSV-Beschäftigten und dem federführenden Bundesministerien für Verkehr und Inneres keinen Fortschritt gebracht. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigt für einzelne Bundesländer eine Fortsetzung des Arbeitskampfs in der kommenden Woche an. Schleusenwärter in Nordrhein-Westfalen sind aufgerufen, ihre Arbeit von Montagfrüh bis Freitag niederzulegen. In Niedersachsen ist ein Streik von Montag bis Mittwoch geplant. Betroffen sind für den Transport von Agrarrohstoffen wichtige Binnenschifffahrtswege wie etwa der Mittellandkanal.

Wettbewerbsfähigkeit im Export gefährdet

Die wirtschaftlichen Schäden, die der Agrarwirtschaft durch den Streik der Schleusenwärter auf den deutschen Binnengewässern entstehen, sind gerade mitten in der Erntezeit hoch, sagt Dr. Henning Ehlers, Generalsekretär des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Der DRV hat dieses Jahr die Geschäftsführung des Grain Club inne, einer Allianz aus Verbänden der Lebens- und Futtermittelwirtschaft. Deren Mitgliedsunternehmen klagten über erhebliche Mehrkosten, wenn mitten zur Erntezeit Getreide- und Ölsaatenlieferungen statt über den Wasserweg mit Lkw transportiert werden müssen.

Die Mehrkosten für Lkw-Fracht gegenüber dem Schiffstransport betrügen teilweise bis zu 15 €/t, so Ehlers. Sei neuerntiges Getreide betroffen, dass von den Überschussgebieten in Niedersachsen via Duisburg nach Rotterdam in den Export fließen solle, ginge das auch zulasten der internationalen Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Agrarrohstoffe. Hinzu komme, dass Verarbeitungsunternehmen auf die Anschlussversorgung mit Getreide und Ölsaaten aus der neuen Ernte angewiesen seien. „Es bestehen Befürchtungen, dass es durch ein Umstellen vom Wassertransport auf die Straße zu Verspätungen bei der Anlieferung der Ware kommt“, führt Ehlers weiter aus. Im Ernstfall könnten Schadenersatzforderungen auf die Lieferanten zukommen.

Persönliches Gespräch mit Ramsauer

Weiterhin hofft die Agrarwirtschaft auf eine schnelle Einigung in den Auseinandersetzungen zwischen den WSV-Beschäftigten und den zuständigen Ministerien, so Ehlers. DRV-Präsident und Grain-Club-Sprecher Manfred Nüssel habe in dieser Woche ein persönliches Gespräch mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zu dem Thema geführt.

Allerdings stehen die Zeichen aktuell nicht auf eine schnelle Einigung: Während Verdi einen Tarifvertrag für die WSV-Beschäftigten zur Bedingung für die Beilegung des Arbeitskampfes macht, hält das Bundesverkehrsministerium ein solches Vertragswerk nicht für erforderlich. Die Gewerkschaft protestiert mit den Streikaktionen gegen die geplante Umstrukturierung der WSV. (pio)
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