Rinderhaltung

Hessen verlangt Kalb-Sedation

Alle hessischen Kälber werden vor der Enthornung nun auch beruhigt.
-- , Foto: Pixelio
Alle hessischen Kälber werden vor der Enthornung nun auch beruhigt.

Ein Erlass zur schmerz- und stressfreien Enthornung von Kälbern nimmt Hessens Rinderhalter in die Pflicht. Ab dem 1. Januar 2017 sind bei der Enthornung von Kälbern neben Schmerzmitteln auch Sedativa einzusetzen.

„Nach zwei Jahren der Freiwilligkeit kommt jetzt die Pflicht", erklärt die Staatssekretärin im Hessischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Tappeser, heute in Wiesbaden. Jede Maßnahme, die Tieren Schmerzen und Stress erspare, sei ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Tierwohl. 

Mehrkosten nur gering

Der Aufwand für die Tierhalter hält sich bei diesem politischen Erlass allerdings in Grenzen. Ein üblicherweise verwendetes Sedativ kostet rund 30 € und reicht nach Auskunft einer Landwirtin für 80 bis 100 Kälber. Zahlreiche Rinderhalter würden bereits jetzt schon die Kälber so behandeln wie es ab Januar hessenweit vorgeschrieben ist.

„Wir haben den hessischen Betrieben bewusst Zeit eingeräumt, sich auf diese neue Regelung einzustellen“, so die Staatssekretärin. Zur Unterstützung wurden Beratungen und Schulungen durchgeführt. „Natürlich wäre mir eine Abschaffung der Enthornung lieber. Ich verstehe aber auch die Forderung der Landwirtinnen und Landwirte nach einem funktionierenden Arbeitsschutz“, erklärt Tappeser. 


Schleswig-Holstein macht den Anfang

Seit Februar 2015 gibt es in Hessen die freiwillige Vereinbarung mit Landwirten, vor der Enthornung stresslindernde Medikamente zu verabreichen. Sie geht auf die damalige Agrarministerkonferenz in Bad Homburg zurück. Dort einigten sich die Länderagrarminister darauf, die "Gabe von Sedativa als verpflichtend anzusehen". Ein Zeitplan wurde nicht festgelegt. Der Beschluss geht auf einen Antrag des Landes Schleswig-Holstein zurück, in dem seit 2015 die Verabreichung von Beruhigungsmitteln Pflicht ist. Eine Betäubung ist weiterhin sowohl in Hessen als auch in Schleswig-Holstein nicht erforderlich. (kbo)
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