Frühjahrstrockenheit

Hoffen auf Regen an Ostern

Klee auf einer Weide in Nordhessen.
-- , Foto: mrs
Klee auf einer Weide in Nordhessen.

Wer aufmerksam durch die Landschaft geht, dem wird der Wassermangel nicht entgehen. Zwar grünt es überall; doch der Eindruck trübt sich vielerorts, sobald der Blick gen Boden geht. In manchen Regionen hat es seit Wochen nicht mehr geregnet. Vor allem in den mittleren Regionen, also in Hessen und dem nördlichen Bayern, sorgen sich die Landwirte um das Wachstum ihrer Pflanzen. 

Blick nach Europa
Auch in andern Ländern der EU ist es derzeit vielerorts zu trocken. So berichet die Union zur Förderung von Öl- und Proteinplanzen (UFOP) über teilweise zu trockenes Wetter in den Anbauregionen der EU-28-Länder, die noch zu deutlichen Verschiebungen in der Rapsbilanz führen könnten. Der Witterungsverlauf in der jetzt beginnenden Blühphase bestimmt die Ertragsentwicklung. So hofft die UFOP vor allem auf den jetzt notwendigen Niederschlag. Auch Italiens Landwirte müssen sich mit einem ungewöhnlich warmen und trockenen Frühling auseinandersetzen. Der dortige Landwirtschaftsverband befürchtet sogar eine bevorstehende Dürre. (mrs)
Frühjahrstrockenheit ist ein Phänomen, das laut Meteorologen in den vergangenen Jahren immer häufiger vorkommt. "Das Problem nimmt zu. Wir beobachten auch in diesem Jahr das Zusamentreffen von höheren Temparaturen und wenig Niederschlag", erklärt Diplom-Meterologe Wolfgang Janssen, der beim Deutschen Wetterdienst (DWD) im Bereich der Agrar-Meterologie arbeitet. Hinzu komme, dass die Böden nicht genügend Reserven an Feuchtigkeit aus den Wintermonaten hätten, da der Niederschlag fehlte.

Und das zu einer Zeit, in der die Vegetation mit steigenden Temparaturen in Gang kommt. Gerade jetzt benötigen die Pflanzen auf dem Acker besonders viel Wasser. "Zudem ist die Verdunstung bei warmen Temparaturen höher", erklärt Janssen vom DWD. Vor allem der nun in die Blüte kommende Raps leidet. Selbst in Regionen, in denen die Bodenfeuchte noch ausreichend ist, hoffen die Landwirte daher auf Regen.

An Standorten mit leichten, sandigen Böden ist das Problem deutlich zu erkennen. Das berichtet auch Sebastion Kuhlmann vom Landvolk Niedersachsen. "Die Situation ist regional zwar sehr unterschiedlich. Während es in Ostfriesland ausreichend Niederschläge über den Winter gab, geht an Standorten rund im Osnabrück das Wasser zur Neige", erklärt er. Besonders kritisch sei es in der Region Nienburg/Weser. Das Problem gehe auf den geringen Niederschlag im vergangenen Jahr zurück. Im Oktober und November habe es nur die Hälfte der sonst üblichen Regenmenge gegeben. "Bis in den Februar war es in dieser Region viel zu trocken," so Kuhlmann. Ähnliches berichtet auch Stephanie Härtel vom Bayerischen Bauernverband. "Die Bödenspeicher sind leer vom Vorjahr." Besonders kritisch sei es in Unterfranken.

Talsperren als Indikator

Einen weiteren Anhaltspunkt für die Trockenheit geben die Pegel der Talsperren. In Nordhessen liegt beispielsweise der Pegelstand des Edersees noch weit unter Vollstau. Der sollte eigentlich bis zum 1. Mai eines jeden Jahres erreicht sein. So ist der Edersee derzeit nur zu 76 Prozent gefüllt. 

In den kommenden Tagen rechnet der DWD immerhin mit leichten Niederschlägen von Norddeutschland bis Mittelhessen. Auch am Osterwochenende könnten hier und da ein paar leichte Schauer niedergehen. Doch auf einen richtigen Landregen müssen die Bauern wohl weiter warten. (mrs)

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