Gegen Siegfried Hofreiter ermittelt nun der Staatsanwalt.
-- , Foto: KTG Agrar
Gegen Siegfried Hofreiter ermittelt nun der Staatsanwalt.

Bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung am Donnerstag stand fest: Das Unternehmen ist zahlungsunfähig und mit fast 400 Mio. € überschuldet. Die mehr als 10.000 Anleihegläubiger dürften weitgehend leer ausgehen, eine Sanierung werde schwer, sagte Rechtsanwalt Jan Ockelmann, seit dem Abtritt von KTG-Chef Siegfried Hofreiter neuer Restrukturierungsvorstand, vor Journalisten in Hamburg.

Erste Angebote erwartet

Deshalb sucht Ockelmann zusammen mit dem gerichtlich bestellten Sachwalter Stefan Denkhaus händeringend einen Käufer für KTG Agrar. „Wir sind kurz davor, Zahlen über die ersten Angebote von Kaufinteressenten zu bekommen“, sagte Ockelmann. Zusammen mit Denkhaus hat er in den vergangenen Wochen Einblicke in das „undurchsichtige Firmengeflecht“ der KTG bekommen. Fazit: „Die KTG-Gruppe verfügt über keine transparenten Finanzen und Controllingsysteme.“ Gegen Hofreiter und weitere vier Manager ermittelt - wie nun bekannt wurde - die Staatsanwaltschaft.

Aber: Auch wenn der Sumpf, den Firmengründer und Patriarch Siegfried Hofreiter hinterlässt, groß ist: Das ursprüngliche Geschäftsmodell mit 30 bis 40 Landwirtschaftsbetrieben unter dem KTG-Dach, die unter anderem Substrate an die Energie-Tochter liefern und bisher noch nicht von der Insolvenz betroffen sind, funktioniert laut Denkhaus und könnte bei einem Verkauf erhalten bleiben.

Schlechte Ernte

Bis dahin gilt es, das Geschäft am Laufen zu halten. „Erste Verkaufserlöse aus der aktuellen Ernte erwarten wir in drei bis vier Tagen“, sagte Ockelmann. Allerdings rechnet KTG Agrar damit, dass die eigene Ernte noch schlechter ausfällt, als es im bundesweiten Durchschnitt aufgrund der Witterung in diesem Sommer ohnehin schon der Fall ist. Das Unternehmen bewirtschaftet in Deutschland überwiegend Flächen in Brandenburg, wo die Ertragskraft aufgrund der Bodenbeschaffenheit noch schlechter ausfiel. „Außerdem wurden die Flächen bei KTG Agrar zum Teil vernachlässigt, weil kein Geld für Dünger oder Pflanzenschutzmittel da war“, erklärte Ockelmann.

Das Geld habe Hofreiter lieber anders ausgegeben. Sachwalter Denkhaus berichtet von Kosten etwa für einen geleasten Helikopter samt Pilot für den Vorstand in Höhe von 1,5 Mio. € jährlich und etlichen Darlehen an Tochtergesellschaften, für die „uns bis heute keine Verträge“ vorliegen. Unternehmen wie etwa die KTK Getreidelager und Handels AG seien für das operative Geschäft nicht notwendig gewesen, hätten aber etliche Millionen von KTG Agrar erhalten. (sp)
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