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Die Gründe für Hunger in der Welt seien weitaus mehr in politischer Instabilität und fehlender Kaufkraft zu suchen, als in mangelnder Produktion. Diese Meinung vertrat gestern Dieter Müller-Praefcke von der Welternährungsorganisation (FAO) auf dem Welternährungstag in Halle an der Saale. Demnach würden rund 50 Prozent der derzeit über 800 Millionen Hungernden in Krisengebieten gezählt. Der Bekämpfung von politischer Instabilität komme daher eine zunehmende Bedeutung zu. Für die Zukunft rechnet die FAO nach jüngsten Zahlen der Weltbank mit einem geringeren Bevölkerungswachstum als noch vor Jahren und spricht in diesem Zusammenhang bereits von einer „Stabilisierung“. Die unabdingbar notwendige Steigerung der Nahrungsmittelproduktion müsse, so Müller-Praefcke, jedoch aus den Entwicklungsländern selbst kommen. Ermutigende Beispiele seien die beiden bevölkerungsreichsten Länder China und Indien. Letzteres konnte in wenigen Jahren Ertragssteigerungen erreichen, die das Land trotz einer Bevölkerungszahl von über 1 Mrd. Menschen zum Nettoexporteur von Nahrungsmitteln machte. (ts)
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