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Alle Marktpartner müssen ihren Teil beitragen

9. März 2001; Deutscher Raiffeisenverband e.V., Deutscher Bauernverband e.V., Verband Deutscher Mühlen e.V., Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e.V.; alle in Bonn

Hygiene-Grundsätze für den Umgang mit Getreide orientieren sich an den Anforderungen der Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) und gelten für alle, die Getreide erzeugen, transportieren, lagern und verarbeiten. Sie schaffen damit die Voraussetzung für den hygienisch einwandfreien Umgang mit dem Lebensmittel Getreide. Darüber sind sich der Deutsche Bauernverband, der Deutsche Raiffeisenverband, der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft und der Verband Deutscher Mühlen in Bonn einig.

Aufzeichnungen über betriebseigene Maßnahmen zur Einhaltung von Hygiene-Grundsätzen sind bislang nicht vorgeschrieben. Im Falle amtlicher Kontrollen sorgen regelmäßige Aufzeichnungen jedoch für eine Nachprüfbarkeit und empfehlen sich für alle Marktpartner. Die Ausgestaltung der Dokumentationsunterlagen kann unternehmensspezifisch erfolgen. Die Verbände haben Beispiele dafür entwickelt:

o Checkliste zur Basishygiene
o Checkliste zur Wartung, Kontrolle und Reinigung
o Checkliste zur Lagerung von Vorräten
o Temperaturkontrollblatt

Die Verbände empfehlen zudem die Instandhaltung der für den Umgang mit Getreide erforderlichen Ausrüstung. Sie verweisen auch auf die gute landwirtschaftliche Praxis bei der Erzeugung, welche für verschiedene Bereiche näher definiert ist, so die gute fachliche Praxis der Bodennutzung, die Vorschriften der Düngeverordnung, die gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz sowie die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung. Die Grundsätze für die Hygiene bei Transport, Lagerung und Verarbeitung werden im folgenden im Wortlaut aufgeführt:

Transport von Getreide

Sämtliche Transportmittel, auch Fremdfahrzeuge, die für den Transport von Getreide benutzt werden, wie Anhänger, LKW, Container, Bahnwaggons und Schiffe, insbesondere deren Ladeflächen, müssen sauber und geeignet sein, diesen Rohstoff in die Lebensmittelkette einzubringen. Dies sollte vor der Beladung durch die im Ladebereich zuständigen Personen auf Sicht geprüft werden. Erst nach der Kontrolle ist das Transportmittel freizugeben. Beim Einsatz von Reinigungs- und Pflegemitteln ist darauf zu achten, dass nur lebensmittelverträgliche Substanzen verwendet werden. Transportmittel, die dem erforderlichen Standard hinsichtlich der Sauberkeit nicht entsprechen, dürfen nicht beladen werden.

Verschmutzte Fahrzeuge und Behälter, die für den Getreidetransport vorgesehen sind, sind vor der Beladung sorgfältig zu reinigen (Besen oder Druckluft). Dies gilt insbesondere nach dem Transport von Mineraldünger. Insbesondere nach dem Transport folgender Stoffe und Materialien hat eine besonders sorgfältige Druckreinigung mit heißem Wasser zu erfolgen:

o Stark riechende Materialien (wie Fischmehl),
o verdorbene Lebensmittel (beispielsweise durch Salmonellen-Befall),
o Materialien, die mit für die menschliche Gesundheit schädlichen Mitteln behandelt wurden (wie Sägespäne, behandelt mit Holzschutzmittel),
o Stallmist,
o tierisches Eiweiß (wie Fleisch, Knochenmehl, Fleischmehl),
o gebeiztes Saatgut,
o Hausmüll oder
o Lebendvieh.

Fahrzeuge oder Transportbehälter dürfen nicht für den Transport von Getreide eingesetzt werden, wenn sie zuvor für den Transport folgender Materialien eingesetzt wurden:

o Giftige oder ätzende Stoffe,
o Abfälle von Geflügel,
o Schlachtabfälle,
o Glas oder
o Metallspäne.

Je nach Witterungsbedingungen und Transportentfernung, aber auch bei Zwischenlagerung auf dem Transportmittel, sind Maßnahmen zum Schutz des Getreides vor äußeren Einflüssen zu treffen.

Lagerung von Getreide

Sämtliche Getreideläger müssen rechtzeitig vor der Einlagerung daraufhin überprüft werden, ob sie den Anforderungen der Lebensmittelhygiene genügen. Dies wird vom Ausgangszustand des Getreides, vom Zeitraum der Lagerung und von weiteren Faktoren abhängen.

Maßnahmen vor der Lagerung:

o Der unmittelbare Be- und Entladebereich muss in einem sauberen und leicht zu reinigenden Zustand sein.
o Die Wände, Böden und sonstigen Oberflächen der Lagerstätte einschließlich Schüttgossen und Fördereinrichtungen müssen gesäubert werden. Wenn notwendig muss eine angemessene Behandlung erfolgen.
o Gebäude, die für die Lagerung benutzt werden, müssen wasserdicht sein; sämtliche undichte Stellen im Dach müssen repariert werden, bevor das Getreide eingelagert wird. Kurzfristig auf Freiflächen gelagertes Getreide muss vor nachteiliger Beeinflussung geschützt werden.
o Es sind Maßnahmen zu treffen, um den Zugang von Vögeln oder Nagetieren zu vermeiden. Deshalb sollten Türen und Fenster zum Lager geschlossen gehalten werden.
o Um das Risiko einer Verunreinigung des Getreides durch Fremdkörper, zum Beispiel Glassplitter zu vermeiden, sollten Glühbirnen und Leuchtstoffröhren durch geeignete Schutzmaßnahmen gesichert werden.

Maßnahmen während der Lagerung:

o Das Getreide ist entsprechend der Lagerdauer in einen lagerfähigen Zustand zu bringen (beispielsweise durch Trocknung oder Belüftung). Im Falle einer notwendigen Trocknung müssen Hitzeschäden vermieden werden.
o Eine längerfristige Lagerung erfordert eine besondere Strategie. Die Temperatur und der Gesamtzustand des Getreides müssen regelmäßig überprüft werden. Jeder Temperaturanstieg muss näher untersucht werden. Zur Bekämpfung von Hitzefeldern im Getreide müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden.
o Wurden zur Gesunderhaltung des Getreides nach der Ernte chemische Behandlungsmaßnahmen ergriffen, müssen die Details der Behandlung aufgezeichnet werden.

Verarbeitung durch die Mühlen

Die Mühlenwirtschaft hat bereits 1995 eigene Hygiene-Leitlinien für Getreidemühlen konzipiert. Dies geschah auf der Basis eines Arbeitspapiers von GAM, dem Verband der europäischen Mühlenwirtschaft. Anfang 1998 wurden die Hygiene-Leitlinien über das Bundesgesundheitsministerium unter Einbeziehung der Bundesländer sowie der Verbraucherverbände bei der Europäischen Kommission in Brüssel offiziell notifiziert. Die Befolgung der Leitlinien stellt sicher, dass in jeder Stufe der Mehlherstellung geeignete Standards für Hygiene und Lebensmittelsicherheit eingehalten werden; sie gelten für alle Mühlen, die Brotgetreide vermahlen.

Ebenfalls wird klargestellt, mit welchen Mitteln Hygiene gehandhabt und in flexibler Weise überwacht werden kann, wobei das Eigenkontrollsystem angewandt wird, das bereits in der Richtlinie 93/43/EU beschrieben und in § 4 Abs. 1 der Lebensmittelhygiene-Verordnung konkretisiert wurde. Bei der Erstellung der Leitlinien wurde auch enger Bezug auf die allgemeinen Grundsätze der Lebensmittelhygiene des "Codex alimentarius" genommen. Diese allgemeinen Grundsätze wurden über einen längeren Zeitraum mit Müllern in den europäischen Mitgliedstaaten diskutiert.

Hinweis: Eine Stellungnahme des Verbandes Deutscher Mühlen zu den Hygienischen Grundsätzen finden Sie hier, einen Beitrag zum Stand der internationalen Qualitätsicherung bei Getreide finden Sie hier.
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