Schweinemarkt

ISN attackiert Danish Crown

Nach dem Preisverfall der vergangenen Wochen stehen noch immer viele Schweinehalter unter Schock. Von Mitte September bis Mitte Oktober stürzte der „Vereinigungspreis“ der Erzeugergemeinschaften von 1,72 €/kg Schlachtgewicht (SG) um 20 Cent ab. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hat einen Sündenbock für den  Preissturz ausgemacht: Danish Crown. Die deutsche Tochter des dänischen Fleischkonzerns schlachtet in Essen bei Cloppenburg jede Woche mehr als 60.000 Schweine und gehört damit in der Veredelungshochburg Oldenburger Münsterland zu den wichtigsten Abnehmern für Schlachtschweine.

Hauspreise sind normaler Vorgang

Die ISN wirf den Einkäufern von Danish Crown vor, in den vergangenen Wochen durch Hauspreise die Preisschraube nach unten weiter angezogen zu haben. In Essen bestätigt man, dass Preise gezahlt wurden, die um 5 Cent unter dem Vereinigungspreis gelegen haben. Zu diesem Preisen habe man in ausreichender Menge Schweine einkaufen können, erklärte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von agrarzeitung.de. Dass man damit „schlecht dastehe“ und nun kritisiert werde, komme nicht überraschend. Preise zu zahlen, die zuweilen von der Empfehlung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) abweichen, sei ein normaler Vorgang. In dieser Woche zahle man wieder den VEZG-Preis, der am Mittwoch um 2 Cent auf 1,54 €/kg SG angehoben wurde.

Schweine an andere Unternehmen liefern

Die ISN wirft Danish Crown vor, mit der „aggressiven Hauspreispolitik“ den Absturz des VEZG-Preises verstärkt zu haben. „Zu Recht stellt sich die Frage, ob der Preis auch ohne diese Hauspreispolitik so stark gefallen wäre“, erklärt die Organisation heute. Am Sitz der ISN in Damme sieht man nun die Gelegenheit, den Spieß umzudrehen. „Angesichts der aktuell knappen Versorgungslage wäre nun die Gelegenheit günstig, das unrühmliche Verhalten DCs den deutschen Erzeugern gegenüber abzustrafen und schlachtreife Schweine vorzugsweise an diejenigen Unternehmen zu liefern, die sich in den vergangenen Wochen fair verhielten“, rät die ISN ihren Mitgliedern.

Dänische Mitglieder sollen mehr bekommen

Bei Danish Crown nimmt man diese Drohung gelassen. In Essen spürt man bisher keinen Einbruch des Angebotes und rechnet auch nicht damit, dass es zu Engpässen kommen könnte. Die ISN vermutet hinter der Preispolitik von Danish Crown in Deutschland eine Strategie. Erst in der vergangenen Woche hatte die Genossenschaft ihren dänischen Mitgliedern versichert, in Zukunft einen Preis zu zahlen, der um 8 Cent über einem westeuropäischen Vergleichspreis liegt. In diesen Vergleichspreis fließen die Notierungen in Deutschland mit einer Gewichtung von 44 Prozent ein.

Verhalten von Danish Crown ein „Armutszeugnis"

„Sich als dänisches Unternehmen einerseits in Form eines europäischen Vergleichspreises an die deutsche Notierung zu hängen, diese gleichzeitig massiv unter Druck zu setzen und die dänische Notierung so künstlich aufzuwerten, ist nicht nur unanständig, sondern definitiv ein Armutszeugnis“, schreibt die ISN. Aus Sicht der Schweinehalter sei es nun umso wichtiger, den „deutschen Preis zu stärken und das schändliche Verhalten von Geschäftspartnern abzustrafen“. (SB)
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