Iamo verteidigt Agrarspekulation


Vieles spricht für „Fehlalarm": Wissenschaftler aus Halle halten Warnungen, dass Finanzspekulation die globalen Lebensmittelpreise anheizt, für nicht haltbar.

Insgesamt 35 empirische Studien haben Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) und des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg abgeklopft. Sie untersuchten die Fragestellung, ob die Zunahme der Finanzspekulation in den vergangenen Jahren das Niveau oder die Volatilität der Preise für Agrarrohstoffe hat ansteigen lassen.

Vom Zusammenhang zwischen Spekulation, steigenden Lebensmittelpreisen und Hunger sind einige namhafte zivilgesellschaftliche Organisationen wie etwa Foodwatch, Oxfam oder Brot für die Welt überzeugt. Sie leiten daraus die Forderung ab, die Geschäfte von Finanzinvestoren mit Agrarrohstoffen zu beschränken oder vollständig zu verbieten.

Iamo-Direktor Thomas Glauben widerspricht. Die Ergebnisse des Literaturüberblicks hätten gezeigt, dass die weit überwiegende Mehrheit der Forschungsarbeiten die vorherrschende Befürchtung zum Einfluss der Spekulation auf die Agrarrohstoffmärkte nicht bestätigen kann. „Auch wenn die Forschungsliteratur sicherlich noch Fragen offen lässt, spricht angesichts des aktuellen Erkenntnisstands vieles dafür, den zivilgesellschaftlichen Alarm als Fehl-Alarm einzustufen", interpretiert Glauben die Ergebnisse. Er meint sogar, dass die Finanzspekulation dazu beitragen könne, Agrarmärkte besser funktionieren zu lassen.

Der Wirtschaftsethiker Ingo Pies schließt aus den Studien: „Wer den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen will, muss realwirtschaftlich dafür Sorge tragen, dass das Angebot an Nahrungsmitteln mit der auf absehbare Zeit steigenden Nachfrage Schritt halten kann". (db)
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